Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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416 Zionismus und Misrachismus. Alltags es seines einstigen Glanzes beraubt und des Bewußtseinsinhalts entkleidet erachten, allen jenen erlebniserfiillten Kampfnaturen, die an eine Wiedergeburt, an einen Fortschritt der alten Ideale glauben, an jenes ״Stirb und Werde״ des deutschen Dichters, ohne das man ein trüber Gast auf dieser sich ewig erneuernden Erde ist. Jene schöpferischen Tatmenschen, jene begeisterungdürstenden Thoratreuen, sollen sie ewig tatenlos bei der Erneuerung des jüdischen Yolkskörpers verharren? Jedem Einsichtigen ist es ferner klar und bedarf keiner weiteren Ausführung, daß gerade das gesetzestreue Judentum in der heutigen Zeit ein festes Bollwerk nötig hat, welches ihm durch eine national unverbröckelte Judenkeit geschaffen werden kann. Die immer steigende Assimilationssucht weiter Kreise, die wachsende Verwässerung des vieldeutigen Orthodoximus (man denke nur, was man in Galizien, Deutschland, England, Amerika unterschiedlich unter ״orthodoxer Jude״ versteht!) der wirtschaftlich erschwerte Existenzkampf, der verheerend auf die Heilighaltung des Sabbat wirkt, die Abwanderung frommer Juden aus den Provinzstädten in die Zersetzungsatmosphäre der Großstädte, der naturwissenschaftlich-monistisch orientierte Geist der Jugend auf den Universitäten, alle diese Umstände bilden ernste Gefahren für die Zukunft des thoratreuen Judentums. Wir können uns daher rückhaltlos der These von Max Joseph in seinem Buche: ״Die Juden am Scheidewege״ anschließen: ״Ein religiöses Judentum ohne nationale Basis ist’ logisch unhaltbar und dem Untergang geweiht.״ Das religiöse Judentum ruht mit allen seinen Institutionen auf nationaler Grundlage, und nicht allein um der moralischen, sozial-materiellen oder kulturellen Judennot zu steuern, sondern um den religiösen Kotstand der Diaspora zu beseitigen und das religiös-ethische Ideal aufrechtzuerhalten, dazu bedarf es eines freien Volkes auf freiem nationalem Mutterboden. Denn einerlei, ob politischer oder Kulturzionismus, ob ein unabhängiges Staatengebilde oder eine international gesicherte Heimstätte aus Palästina