Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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412 Der Turm von Babel im Liebte der Kapitel des R. Elieser. wer hinabstieg, ging westlich. (Offenbar wird hiermit die Sorgfalt der Vorbereitung des Baues geschildert). Wenn ein Mensch herabflel und starb, so achtete niemand darauf; fiel aber ein Ziegelstein, dann saßen sie da und weinten und wehklagten: Wehe, wann wird ein neuer an seiner Stelle herauf kommen?“ Abram, Sohn Terahs kam vorüber, sah sie und fluchte ihnen in seines Gottes Namen: ״Schlag drein, Gott, teile ihre Sprache, denn ich sah Gewalt und Streit in der Stadt.“ (Ps. 55j.“ Für die hierin geschilderten friedlichen Kulturbestrebungen, welchen Menschenleben unbedenklich von ״Patrioten“ geopfert werden, hat der Jude kein Wort als Gewalt, Streit und Abwertung jeglichen Gottesglaubens. Dies Urteil kann durch die edle Begeisterung der Beteiligten nicht gemildert werden. Die Einheit des Menschengeschlechtes der Urzeit hat aber keine anderen Früchte gezeitigt als eben dieses nicht gottgefällige Streben nach ewigem Menschenglück unter Vergewaltigung des Einzelglückes. Der Zustand dieses Einheitslebens hat sich also als ebenso schädlich für das Leben der Gesamtmenschheit erwiesen, wie am Beginn der ersten Menschheitsgeschichte der Zustand der ungetrübten Gottähnlichkeit und ebenso, wie die ersten Generationen durch ihren Verfall den Unsegen des Reichtums der vorsintflutlichen Erde sichtbar gemacht hatten. Würden wir ohne solchen wiederholten Sturz an unsere Schwäche glauben? IV. Der ideale ״Zukunitsstaat“ muß fallen. Aber nur, damit die Menschen sehen, wie, morsch seine Wurzeln sind, wie wenig Wahrheit in der Wesensgleichheit und Strebensgleichheit liegt, in der Reinheit und Güte, die sie bei allen ihren Mitmenschen vermuten. Denn daß der ״Idealzustand״ überhaupt jemals geherrscht hat, — kann es einen anderen Zweck haben als den, zu zeigen, daß er nicht dauerhaft in unserem Wesen verankert ist und also: nicht auf Erden durch uns wieder erreichbar! Und daß wir uns ihm nähern, wird nach 1914 wohl niemand mehr zu behaupten wagen, weder bezüglich des Einzelmenschen in seiner Gesinnung, noch bezüglich unseres Volkslebens oder unseren Bodenerzeugnisse. — Freuen wir uns, daß es nicht so ist! Freuen wir uns doch, daß jener unbändige Stolz auf ״Land“ nicht mehr die Welt erzittern macht und Menschen dahinrafft dem Lande zuliebe. Wem verdanken wir das? Der Einsicht, die Gott uns durch die Vereitelung des Stadtbaues der einspraehigen Menschheit gab, daß nicht Menschenerdachtes göttlichen Dauerwert hat, — weil es stets in Meiischenvergotterung ausartet, die sich von Gott lossagt. V. Unsere Kriege, so blutig und grausig sie die Welt durchzittern, können niemals die Sorglosigkeit zeitigen, mit welcher die ganze Menschheit bei jenem Stadtbau den Tod des Einzelnen ignorierte. Seit