Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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El Die Juden in Kußland und Polen. 409 setze“ werden in Permanenz erklärt. Jüdische Rechtlosigkeit wird zu einem Riesen-Spinngewebe ausgesponnen, das dem Opfer sichere Vernichtung bringt. Allein das Zarentum scheint sich wiederum selbst überlebt zu haben. Der ״verrottete Westen״ ist dabei, sei es durch das betäubende Krachen der Kanonen, sei es durch die noch schwache Stimme seiner Diplomatie die Zwingburg der Barbarei im offenen Kampfe zu zertrümmern oder im Geheimen zu untergraben. Das Spinngewebe der Autokratie hat, anstatt die Fliege zu fangen, nur die Spinne in Verwirrung gebracht. Schon weht die Luft der Freiheit, und die Zeit ist nahe, da ein Hauch genügt, das Spinngewebe und die Spinne in den Abgrund der Vergessenheit hinwegzufegen. Die Geschichte der Juden Rußlands ist die Geschichte der Juden unter der Herrschaft der Zaren. Es ist nicht die Geschichte der Juden unter dem russischen Volke oder inmitten des russischen Volkes. Wir hegen keinen Groll gegen die große russische Kation. Wir machen sie nicht für unsere Leiden verantwortlich. Viele unter ihnen haben, das ihnen zugefügte Unrecht vergessend, immer wieder und wieder leidenschaftliche Worte des Widerspruchs gegen das den Juden zugefügte Unrecht erhoben. Das russische Volk ist selbst das Opfer der Autokratie, und nur aus Unwissenheit und Kurzsiehtigkeit läßt es sich gelegentlich zum Werkzeug der Autokratie mißbrauchen. Was uns selbst anbetrifft, wir brauchen nicht zu verzweifeln. Wenn wir auf den Kampf zurückblicken, den das Zarentum als Institution und die einzelnen Zaren als deren Werkzeuge gegen Juden und Judentum geführt haben, dann schöpften wir Trost und Mut aus der göttlichen Verheißung der Unzerstörbarkeit Israels, die wir alljährlich voll Vertrauen an unserm Freiheitsfest aussprechen: Nicht einer allein stand wider uns auf, uns zu vernichten, sondern in jeglichem Geschlecht stand man wider uns auf, uns zu vernichten. Doch der Heilige, gelobt sei er, errettet uns aus ihrer Hand. (Fortsetzung folgt.)