Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Gott der Bache. 39 3 im Urchristentum, nur verständlich ist durch dessen Einstellung auf das unmittelbar bevorstehend gedachte Weitende und den daraus folgenden Sinn der ganzen Bewegung, nur die Seelen fürs Himmelreich zu retten, nicht aber auch für die Ordnung des Diesseits zu sorgen — sehr im Gegensatz zu den ethischen Tendenzen des Judentums und den ethischen Voraussetzungen modernen Staats- und Gesellschaftslebens. IV. Der Gott der Sühne. Einen Gott, der die Bache im unsittlichen Sinne des Wortes lehrt oder billigt, kennt das Judentum nicht. Aber vielleicht einen, der sie übt? Das wäre offenbar noch viel weniger möglich. Der Gott des Hechts kann rechtswidrige Vergeltung noch weniger üben als vorschreiben. Und kann der Weltschöpfer den Untergang seiner Geschöpfe als solchen wollen? ״Meiner Hände Werk habe ich ins Schilfmeer versenkt — und ihr Engel wollt mir Freudenlieder singen?“ Schöner als durch diese Midrasch- Worte kann gar nicht ausgesprochen werden, daß der Schöpfer seine Gebilde nur strafen, aber keine Bache an ihnen üben kann. Gewiß: die göttliche Strafe ist oft streng, ihre Schilderungen in Thora und Propheten manchmal furchtbar. Aber strenge Strafe (man scheint die Selbstverständlichkeit nicht immer beachtet zu haben) ist noch keine Bache. Überdies messen sich die glühendsten Darstellungen unserer Bibel an erschreckender Wirkung nicht mit jenen katholischen Aukmalungen der Jenseitsstrafen, unter deren niederdrückender Wucht das arme Gretchen im Faust zusammenbricht. Und wenn die Strafe ״bis ins 4. Glied denen, die Gott hassen“, zuteil werden soll, so liegt darin gewiß ein ernstes Problem, das der Midrasch durch scharfe Betonung der persönlichen Schuld der Enkel zu mildern sucht. Aber als Zeichen besonderer göttlicher Strenge kann nur die Unwissenheit den Vers (oder das verwandte Wort Fah. 1, 2f.) zitieren, die nicht bedenkt, daß nach dem unmittelbar folgenden Gottes Liebe bis ins tausendste Glied nach wirkt.