Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1918-07-01 · Heft 7 (Juli 1918) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 7 (Juli 1918)
Date
1918-07-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2292980-2292985--02953-2296227
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

390 Der Gott der Rache. zusammengestellt hat, lesen wir 5,38 ff. den folgenden: Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Ange um Änge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel: sondern so dir jemand einen Streich gibt auf den rechten Backen, dem biete den andern auch dar; und so jemand mit dir rechten will und deinen Hock nehmen, dem laß auch den Mantel: und so dich jemand nötiget eine Meile, so gehe mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht von dem, der dir abborgen will. Allerdings wendet sich die Polemik nicht gegen den Vers חובה תוכיח את עמיתך, sondern gegen die Vorschrift Auge um Auge. Aber diese drückt im Zusammenhang und in der halachischen Auslegung1), die der Evangelist kennt und bei seinen Lesern als bekannt voraussetzt, eben den Anspruch auf gerechte gerichtliche Sühne aus. den Lev. 19, 17 dem Beleidigten zuspricht. ״Auge um Auge“ enthält ja keine Anweisung an den Gekränkten, sondern an den Richter und verpflichtet ihn nach der Halacha zur Auferlegung eines Bußgeldes, dessen Hohe der Schwere der Verletzung entspricht, insbesondere nicht über sie hinausgeht, wie nach manchen ״mit Blut geschriebenen“ Gesetzen des Altertums und peinlichen Halsgerichtsordnungen späterer Zeit. Jedes schwere Vergehen flnde seine billige Sühne aut dem Rechtswege, lehrt die Thora. Eben das bestreitet der Evangelist. Ihr sollt euer Recht nicht auf dem Rechtswege suchen, sondern auf seine Wahrnehmung verzichten. Die Großzügigkeit der Gesinnung, die dieser Vorschrift wohl zugrunde liegt, ist auch dem Juden verständlich. Im Geiste der Thora, die ihm die hämische Vergeltung verbietet, betet er jeden Tag: denen, die mir fluchen, schweige meine Seele, und meine Seele sei wie Staub gegen alle. Aber freilich, er fügt hinzu: alle, die Böses gegen mich planen — brich du ihren Rat und vereitle ihren Anschlag. Indem das Christentum über das Judentum hinausging und die Berichtigung des J. Horovitz, Auge um Auge, in Judaica, Festschrift für Cohen, 609ff., namentlich 650 und 656 unten über die Bergpredigt. \

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.