Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292980-2292985--02952-2296226- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Gott der Racke. 389 Verteidiger unserer Bibel Jahrgang IV 648 dieser Zeitschrift übersieht), daß die Einschränkung des Sifra nur das Verbot der Vergeltung, nicht das Verbot der Nächstenliebe trifft; daß schon aus diesem Grunde eine schrankenlose Bache dem Volksfremden gegenüber auch nach der Auslegung des Sifra der biblischen Vorschrift widerspricht, ganz abgesehen davon, daß eine Unterdrückung der hämischen Instinkte im Verkehr mit Volksgenossen, deren leuchtendes Beispiel uns Hillel ist, auf das gesamte Wesen und Auftreten eines Menschen nicht ohne Einfluß bleiben kann. III. Das Verbot der Abwehr in der Bergpredigt. Auseinandersetzung, nicht Bache — תוחבה, nicht נקמה — ist also die Lehre des Judentums. Ihre Berechtigung wird uns deutlicher durch die Bestimmung ihres Verhältnisses zum Urchristentum. In der Verwerfu ng der נקמה stimmt es mit dem Judentum überein1); in der Verurteilung der תוחבה geht es über das Judentum hinaus. Unter den ursprünglich getrennt überlieferten Sprüchen, aus denen das Evangelium des Matthäus die sog. Bergpredigt wir können aber die Notwendigkeit mancher ihrer Anordnungen und die Empfindungen mancher Psalmisten nur aus den Zuständen verstehen, die die Bibel vorfindet, wenn auch zu überwinden sucht. Auch unter dieser Voraussetzung bleibt manches schwer verständlich; auf die Behandlung im II. Jahrgang dieser Zeitschrift Seite 23ff. und im IV. Seite 38ff. sei ausdrücklich verwiesen. Wir sind gewiß nicht menschlicher als unsere Ahnen an den Wasserbächen Babylons, vielleicht etwas weicher, jedenfalls gewandter in der Verheimlichung unserer Wünsche vor andern und — vor uns selbst. Hoffen wir, daß Zeiten kommen werden, in denen man es ebenso schwer verstehen wird, daß sich liefsittliche Persönlichkeiten gewisser moderner Kriegsmittel bedienen konnten — wie wir den Schluß des 137. Psalms. ג) Es braucht wohl nicht gesagt zu werden, daß die Bergpredigt vom Verkehr mit Volksfremden und daher auch von der (s. o.) Ein- Schränkung des absoluten Vergeltungsverbotes nicht redet. Natürlich schließt ihr Standpunkt, folgerichtig durchgeführt, j e de Gewaltanwendung, auch den Verteidigungskrieg, aus, da sie ja jeden Widerstand, sei er auch noch so sittlich, berechtigt, verwirft.