Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Gott der Rache. 337 Die vier Forderungen gehören, wie ich durch die Interpunktion hervorzuheben suche, aufs engste zusammen. Die erste und die letzte (17 a und 18 b) fordern die rechte Gesinnung: nicht Haß, sondern Liebe. Die mittleren Zeilen lehren das richtige Verhalten im Falle einer Kränkung: offene Auseinandersetzung, nicht hämische Vergeltung, תוכחה, 2]icht 1נקמת). Der Begriff der תוכחה schließt sowohl die pers'önliche Vorhaltung, wie die gerichtliche Klage ein, aber beides ohne irgendwelche Gehässigkeit; so macht Abraham Gen. 2i,25 dem Abimelech Vorwürfe (הוכיח), nachdem er eben einen Bund mit ihm geschlossen hat, — also gewiß in durchaus freundlichen Formen, ja, die offene Auseinandersetzung könnte beinahe als das Zeichen der neuen Freundschaft erscheinen. Oder: nach Gen. 31,42 hat Gott zwischen Jakob und Laban ״entschieden“ (ויוכח), nämlich durch den Traum Labans, also in mildester Weise. Die Bibel fordert somit durchaus keine Preisgabe wichtiger Lebensinteressen, verbietet aber eine gehässige, gewaltsame Art und Weise der Aus- ב) Es kann gar nicht scharf genug geschieden werden zwischen der exegetischen Frage, was unsere Textworte im Zusammenhang be_ deuten, und der in die Geschichte der Ethik gehörigen, oh sie über ihren nächsten Sinn heraus eine weitere Anwendung zulassen. Man hat es m. E. Mendelssohn nicht mit liecht verdacht (M. Horovitz. Frankfurter Rabbinen IV 55). daß er im Anschluß an Nackmanides die Worte דלרכח תרכיח את עמיתך nur auf das Recht der Auseinandersetzung nach einer Beleidigung, nicht auf die allgemeine Pflicht der Zurechtweisung des anderen bezog, so sicher diese auch aus der Gemeinbürgschaft aller J uden füreinander folgt. Und wenn, wie wir allerdings glauben, bei רע Vers 18 b in unserem Zusammenhang an den Volksgenossen gedacht ist. so zeigt Vers 84, daß darin eine Beschränkung der Nächstenliebe auf den Kreis der Volksgenossen keineswegs gesucht werden darf; die Auslegungen im halachischen Midrasch, der jeden Bibelvers so weit wie möglich, auch über den durch den Zusammenhang bestimmten Sinn hinaus, auszuwerten sucht, stimmen daher in der Beziehung des Gebotes auf alle Menschen überein, u. z. nicht erst unter dem Einfluß des Christentums; das haben Eschelbacher, das Judentum und das Wesen des Christentums 30, und Köhler in: Judaica, Festschrift für Cohen 469 mit solcher Sicherheit bewiesen, daß auch die Zweifel christlicher Theologen allmählich zu vorstummen scheinen.