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Jeschurun · 1918-07-01 · Heft 7 (Juli 1918) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 7 (Juli 1918)
Date
1918-07-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Der Gott der Rache. 385 Man muß diesen weiteren Sprachgebrauch*) kennen, wenn man nicht einen Widerspruch darin finden will, daß der Dichter des ״Teil“ und des ״Ibykus* die Rache einmal ״einen unedlen nnd niedrigen Affekt* nennt. Zu einem ahnliehen Fehlschluß führt es natürlich, wenn man sich des weiten Umfanges des Begriffes נקם nicht bewußt ist, aus welchem, wie wir sahen, der Gebrauch des deutschen Wortes Rache sich erklärt. Ursprünglich reicht der hebräische Ausdruck sogar noch etwas weiter als der deutsche. Er kann nicht nur von der Vergeltung, sondern vom Angriff gebraucht werden: nach Jos. 10,13 soll die Sonne stehen bleiben, bis das Volk (Israel) im Eroberungskriege triumphiert hat (יקום) über seine Feinde; vielleicht ist auch Klagel. 3. 60 mit den Worten נקמתם כל היום nicht die Rachsucht der Feinde, denen ja Israel nichts zuleide getan hatte, sondern ihr gewalttätiges Benehmen gemeint. Sicher hat die Wurzel den hämischen Klang, wie im neueren Sprachgebrauch (״seine נקמה an jemanden erleben*), manchmal auch in der Bibel: sowirdEz.25,12:15 den Edomitern und Philistern ihre Rachsucht zum Vorwurf gemacht. Sehr häufig steht das Wort aber — dem weiteren Gebrauch des deutschen Wortes ״Rache* entsprechend — synonym mit Ausdrücken des Richtens (שפט ,פקד ,שלם) vom gerichtlichen Verfahren; es genügt wohl der Hinweis auf Gen. 4,15, wo Kain siebenfacher ״Buße* versichert wird, und Ex. 21,20 f., wo für tödliche Mißhandlung eines Sklaven eine ,,Ahndung* festgesetzt wird. Erst jetzt ist die exegetische und die religionsphilosophische Aufgabe klar zu formulieren. Die Auslegung hat von Fall zu Fall festzustellen, in welchem Sinn die Wurzel נקס dem Zusammenhänge nach gemeint sein muß. Und die grundsätzliche Frage, ob das Judentum einen Gott der ״Rache* lehrt, wird nur eindeutig gestellt werden müssen: dann ist ihre Beantwortung nicht schwer. ״Rache“ in dem tiefsittlichen J) Ich beschränke mich hier und im folgenden auf die notwendigsten Beispiele. Daß auch z. B. die Freiheitsdichter oft von erlaubter und gebotener Rache sprechen, ist bekannt.

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