Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Gott der Rache. 383 I. Die Begriffe Rache und נקני״ ח. Schon unsere Fragestellung hat dem Leser vielleicht die Vermutung nahegelegt, daß die hebräische Wurzel נקם verschiedenerlei bezeichnen könnte. Dann aber muß wohl auch der deutsche Ausdruck ״Rache“ doppelsinnig sein. Denn Luther, der Bildner der neudeutschen Schriftsprache, gibt das נקם der Bibel regelmäßig durch ״rächen“ wieder. In der Tat läßt sich ein solcher Doppelsinn oder, genauer gesprochen, ein weiterer und ein engerer Gebrauch des deutschen Wortes leicht erweisen. Im allgemeinen hat für uns das Wort Rache einen sehr häßlichen Klang. Zur erlaubten Rechts Verfolgung steht die Rache entschieden im Gegensatz; ja, sie scheint geradezu ״ein Widerspiel des Rechtes und damit der Sittlichkeit“ (Cohen, Ethik des reinen Willens 466) zu bedeuten. Sie regt sich bei jeder Verletzung, die wir erfahren haben, nicht zum mindesten bei einer verdienten; Angestellte, die durch eigene Schuld entlassen werden mußten, rächen sich gern durch Denunziationen. Denn die Rache sucht ja nicht etwa eine Wiedergutmachung des Schadens, der mir selbst oder dem Rechtsgedanken durch ein Unrecht zugefügt worden ist, sondern ein Loswerden des Ärgers, der mich bedrückt und wohl auch demütigt, durch möglichst starke Verletzung desjenigen, der mir ihn zugefügt hat; wenn sich die Schädigung des Verletzers wohl auch beim Beschreiten des Rechtsweges nicht wird vermeiden lassen, aber doch nicht den Zweck des Verfahrens bildet, hat es also der Rachsüchtige auf den Schmerz und den Arger des anderen geradezu abgesehen; schon ein zufälliges Unglück, das den Feind etwa trifft, gießt Balsam in seine Wunde1)• ף Daher Spr. Sal. 24, 17: Wenn dein Feind fällt, freue dich nieht^ und wenn er strauchelt, juble nicht dein Herz. — Beides wäre das Zeichen einer hämischen Gesinnung, die allerdings ״Gott mißfallen״ müßte (Vs. 18). Wenn dagegen Beruria (Ber. 10 a) bittet, daß nicht die Sünder, sondern die Sünden vernichtet werden möchten (Ps. 104,35), so ist klar ausgesprochen, daß wir auch bei persönlicher Beleidigung G־erechtigkeit, aber nicht Rache suchen dürfen. 26*