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Jeschurun · 1918-07-01 · Heft 7 (Juli 1918) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 7 (Juli 1918)
Date
1918-07-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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382 Der Gott der Bache. Angenommen, das Judentum lehre einen Rachegott, so könnte man diesen Glauben keinesfalls veraltet nennen. In allen Völkern, in Deutschland nicht zum mindesten, lebt der Glaube der Freiheitsdichter auf an ״den Gott, der Eisen wachsen ließ“ und den Mann lehrt, zu bewahren ״bis aufs Blut, bis in den Tod die Fehde“. lind fragt man nach dem tatsächlichen Gehalt der Religionen, nicht nach ihrer offiziellen Form, so hat allenthalben in dieser Zeit der Revanchegelüste und Repressalien wohl kein Gott so zahlreiche Verehrer wie der ״Gott der Rache“. Heute — aber morgen? Im Kriege selber ist das letzte nicht der Krieg. Es sind nicht die schlechtesten, die auf einen ״Schrei nach Verständigung“ hoffen, der nach dem Furchtbaren, das wir erleben, durch die Völker gehen wird. Kann dann der Jude den Kultus der Rache in Permanenz erklären wollen, er, den messianische Hoffnung und politischsoziale Lage gleichermaßen auf eine Vermittlerrolle hinweisen? Aber andererseits: läßt sich der unerbittlichen Wirklichkeit zum Trotz das Verbot der Rache ernstlich rechtfertigen? Die Zeit ist längst vorbei, da uns Juden die Abneigung gegen Gewaltsamkeiten im Blut lag. ״Auch ich begann zu rasen, und ich werde fast wie du“. Die ganze Welt, so etwa las ich vor dem Kriege in einer Sammlung jungjüdischer Aufsätze, will nichts mehr wissen vom lieben Gott und seiner Moral: sollten wir Juden an ihm festhalten? So sprechen nicht nur junge Schwärmer, denen Nietzsches glänzende Sprache die Augen geblendet hat. Als ich einmal über den Gegenstand dieser Untersuchung einen V ortrag geh alten hatte, sagte mir ein hochgebildeter religiöser Herr, Vater erwachsener Kinder, er sei mit dem festen Vorsatz gekommen, ,,sich seinen alttestamentlichen Rachegott nicht wegdemonstrieren zu lassen“. Der Hörer hat sich belehren lassen, trotz seines Vorsatzes. Er hat sich davon überzeugt, daß die Bibel von einer Moral der Rache nichts weiß und mit Recht nichts weiß. Denn um das einzusehen, bedarf es keiner Harmonistik, sondern nur der Feststellung, was Rache ist und was einige Bibelstellen, die man oft isoliert anführt, innerhalb ihres Zusammenhangs notwendig bedeuten.

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