Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 122)
- Language
- German
- Belongs to
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378 m—aaa— Büeherbesprechung. aber nicht die höhere, ״Welt und Zeit für die Ewigkeit zu meistern und zu gestalten“; wie dann der Glauben an die noch ungelöste Aufgäbe der jüdischen Gesamtheit in starken Arbeitswillen sich umsetzt und zur machtvollen Tat aufruft; wie der Verfasser begeistert mahnt, den Zaun um den ganzen Garten der Lehre zu errichten und das Glaubensschiff zu bemannen, um nicht das Teuerste, die Lehre Gottes wie bisher dem Ungefähr von Wind und Welle preiszugeben; wie er die fast erstickte Flamme des messianischen Gedankens neuentfachen will — das alles will gelesen sein; und wer es liest, wer das Bingen des mit altjüdischem Glaubensmute ausgerüsteten Verfassers von Zeile zu Zeile verfolgt, der wird — mag ihn manches Urteil zu schroff, manche Behauptung nicht hinreichend begründet dünken — zugestehen müssen, daß er hier eines der in unserer leider nur zu dürftigen Literatur so seltenen Erlebnisse gefunden hat. Am einzelnen mäkeln wäre drum Undankbarkeit. Dagegen scheint es Pflicht, den Wunsch auszuspreehen, der hervorragende Mann möchte von berufener Seite zu weiteren, auch umfangreicheren und populärer gehaltenen, literarischen Schöpfungen angespornt werden. Nicht ganz so stark, aber nicht minder freudig berührt uns, die wir keinen, auch keinen ״außer Hörweite geborenen“, leichten Herzens preisgeben, das andere Ereignis auf dem Büchermärkte. Mit voller Teilnähme begrüßen wir den Weckruf, mit dem der Verfasser die ihm nahestehenden Kreise der ״Justiz-, Sanitäts- und Kommerzienräte“ aus ihrer Stumpfheit aufrütteln will. Und beherzigenswert auch für unser Lager deucht uns die entschiedene Betonung des selbst bei uns vielfach nicht genügend erkannten jüdischen Bildungswertes unserer nachbiblischen Literatur — die kabbalistischen Schriften mitinbegriffen — sowie die Begründung der unbedingten Zusammengehörigkeit von jüdischemDenken und hebräischer Sprache. Ob es freilich möglich und empfehlenswert ist, den hebräischen Unterricht auf Kosten der anderen Unterrichtzweige einseitig zu berücksichtigen, bedarf ernster Erwägung. Wunder nimmt uns das völlige Vorbeigehen an dem ohnedies immer noch sträflich vernaehlässigten, und doch garnicht ernst genug zu nehmenden Problem der Erziehung des weiblichen Geschlechtes; überschätzt erscheint mir überhaupt der Einfluß des Religionsunterrichts, der erst durch enge per sönliche Beziehung des Lehrers zu jedem einzelnen Schüler vomBildungszum Erziehungsfaktor erhoben wird. Aber auch hier sollen Meinungsverschiedenheiten im einzelnen das Gesamturteil nicht bestimmen. Auch diese Schrift muß man mit inniger Teilnahme lesen, um die Gewißheit zu erfahren, die unsere Väter in den trübsten Zeiten aufrechterhalten hat. פי לא אלמן יבוראל'. Rabb. Dr. Simonsohn, Breslau.