Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 118)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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374 Aus der alten Zeit. Kidduscli gemacht, und die Gäste Wort für Wort eingestimmt hatten, setzten sich alle um den Tich herum und ließen sich die Speisen und Getränke gut munden, denn Hechele hatte das Schönste und Beste aufgetischt. Von Minute zu Minute wuchsen Wonne und Behagen im Zimmer. R. Jekele ließ das Sprühfeuer seiner Neckereien aufseine Frau, seine ״Esches chajil“ unaufhörlich herabblitzen, aber auch sie blieb ihm keine Antwort schuldig und zahlte ihm mit gleicher Münze heim. Davidl gab einige Episoden aus dem Geschäftsleben zum Besten und brachte durch seine witzigen Schilderungen alle Anwesenden zum Lachen. Nach und nach verlor auch Perele ihre Scheu ihrem Vetter gegenüber und sab ihm grade ins Angesicht, ohne ihre Blicke zu Boden zu senken. Auch unterhielten sie sich ungezwungen, wie Bruder und Schwester, miteinander, erinnerten sich an die Tage ihrer Kindheit, an ihre täglichen Spiele im Garten, an alles, was sie seitdem erlebt hatten. Beide waren ganz glückselig, beide konnten sich nicht satt aneinander sehen, konnten nicht oft genug einer der Stimme des andern lauschen. . . Von weitem blickte Hechele auf die Kinder, wie sie miteinander plauderten, und ihr Herz bebte in ahnenden Wonneschauern. . . So verging der Abend, so auch der folgende Tag in Freude, Jubel und Lust. . . Nach Sabbatb Ausgang wurde im Hause von R. Jekele und seiner Frau Hechele ein Freudenfest gefeiert. Die angesehensten Familien der Stadt, darunter auch der Haw, waren dazu eingeladen: denn es galt die Verlobungsfeier ihrer Tochter Perele mit ihrem Vetter Davidl. Nachdem wie übbch ein Teller zerbrochen worden war, bat H. Jekele die Gäste, sich um ihn zu gruppieren, und teilte ihnen mit, daß er heute außer den ״Tnoim״ auch noch einen ״Kontrakt“ mit seiner Frau ausschreiben wollte. Hierauf erzählte er ihnen, daß er mit seiner Frau einen Vertrag geschlossen habe, ihr die Hälfte seines ihm zufallenden Anteils an der künftigen Seligkeit abzutreten und daß auch sie sich verpflichtet habe, ihn ihren Anteil mitgenießen zu lassen. Die ganze Versammlung äußerte einstimmig, daß Perele das volle Recht habe, solches von ihrem