Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 116)
- Language
- German
- Belongs to
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3 72 Aus der alten Zeit. liebliche Duft der Fische und der Suppe, die Hechele aufs Kostlichste bereitet hatte, angenehm entgegen. ״Gut Schabbos! Gut Schabbos!“ riefen sie munter und fröhlich aus, als sie auf die Türschwelle traten, und Hechele und ihre Tochter, die ihnen Arm in Arm zur Begrüßung bis an den Eingang entgegen getreten waren, erwiderten liebreich und freundlich: ״Gut Schabbos! Gut Schabbos!“ . . . Die zarte Perele entzückte alle durch ihren Wuchs und ihre Schönheit, denn das neue Kleid, das sie heute dem Sabbath und dem lieben Gast zu Ehren angezogen hatte, erhöhte noch ihre Schönheit und jugendliche Anmut. Ihre Wangen waren rosenrot angehaucht, und ihre Augen leuchteten sternengleich. Auch die Mutter hatte gleich der Tochter sich heute besonders prächtig gekleidet und entzückte aller Augen durch ihre Schönheit und Anmut. Perele saß an der Seite ihres Vetters Davidi, und ihr Herz war von Unruhe erfüllt. Sie selbst vermochte sich keine Rechenschaft darüber zu geben, warum sie immer die Augen zu Boden senken mußte, so oft Davidl sein Auge auf sie richtete, und warum ihr Herz heftig klopfte, so oft ihre Blicke die seinen trafen. War er nicht ihr Vetter, mit dem sie zusammen von Kindheit an aufgewachsen, mit dem sie, als sie noch beide Kinder waren, im Garten zusammen gespielt hatte? Freilich hatte er sich seitdem sehr verändert, war viel größer und breiter geworden, ein ganzer Mann, dem schon der Bart an Kinn und Lippen zu sprossen begann — aber er war doch schließlich ihr Vetter, ihr früherer Spielgefährte, war doch kein anderer geworden; warum mußte sie stets die Augen zu Boden senken, so oft er die Augen zu ihr erhob? Warum erschien er ihr wie ein ganz neues Wesen, als hätte sie ihn nie gesehen, nie gekannt? . . . Aber nicht allein er, auch das Zimmer und die ganze Einrichtung erschienen ihr neu, wie ganz verändert. Die Lichter leuchteten heute noch einmal so hell, und ihre Strahlen fanden ihren Weg in ihr Herz und erfüllten es mit Licht und Freude über alle Maßen. Die Wände, die Spiegel, das Sofa, die Stühle, alles zeigte heute ein neues, ein fröhliches Aussehen; ein paradiesischer Hauch schwebte über ihrem Haupte,