Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 114)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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370 Aus der alten Zeit-, R. Jekele stopfte seine Pfeife mit Tabak, wie er stets zu tun pflegte, wenn er etwas, was ihn interessierte, genau hören Wollte, und er setzte sich neben sie hin . . . ״Nun laß einmal, liebe Eschse chajil, Deine klugen Worte hören!״ ״Ob viel Klugheit darin steckt, weiß ich nicht — aber zuerst sage mir nur: Haben wir uns nicht im Namen Gottes miteinander vereint, um alles, das Gute und das Böse, gemeinsam zu teilen? ..." ״Bis hundertundzwanzig Jahre,“ antwortete R. Jekele. ״Du hast recht, aber ich möchte, daß wir auch in jener Welt alles, was uns beschieden ist, gemeinsam teilen; denn sage mir doch aufrichtig: Würde es Dir lieb sein, dort im Gan־ Eden allein zu sitzen, während ich fern von Dir stehen muß und Dir nicht nahen darf? . . ״Sieh nur,“ entgegnete ihr Mann, R. Jekele, ״nicht aus Weisheit hast Du dies gesprochen, denn wenn einer von uns seinen Anteil am Gan-Eden erhält, so bin ich dessen ganz sicher, daß Du den Vorzug verdienst; denn Du hast wahrlich Dein ganzes Leben lang nur Gutes und Edles getan. Außerdem trägst Du Dein Leben lang ein schweres Joch, und wem verdanke ich es, daß ich lernen konnte, wenn nicht Dir? Denn Du hast für mich und für unsere Kinder überreichlich gesorgt. Ist dem nicht so? . . ״Weiche nicht aus, ich weiß, was ich weiß: Du befleißigst Dich der Thora und der religiösen Obliegenheiten, Dein ganzes Leben, und ich bin den Nichtigkeiten dieser Welt hingegeben. Aber selbst, wenn Du recht hättest, so kann ich doch nicht wünschen, daß einer von uns vor dem andern bevorzugt sein soll. So, wie wir in dieser Welt vereint die Bahn des Lebens gewandelt sind, so wollen wir uns auch in jener Welt nicht trennen!. . .“ ״Und was verlangst Du also von mir?״ fragte B. Jekele. ״Daß Du mit mir einen Vertrag schließest, daß wir alles Gute und alles Böse, das uns zuteil wird, gemeinschaftlich teilen wollen!“