Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 112)
- Language
- German
- Belongs to
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368 Aus der alten Zeit. ,.Weil unsere Tochter Perele nicht dazu geschaffen ist, auf ihren Schultern das Joch des Unterhaltes des Hauses zu tragen; sie muß einen Mann heiraten, der die Fähigkeit hat, seine Familie zu ernähren!״ R. Jekele senkte sein Haupt, und ein Schein von Trauer flog über sein Gesicht. ״Hu hast recht,44 antwortete er kopfschüttelnd. ״Du er״ fährst es ja an Deinem eigenen Leibe, wie traurig und bitter das Los einer Frau ist, die die Last des ganzen Hauses allein tragen muß! ״ Hechele taten ihre Worte leid, als sie sah, wie ihr Mann sich getroffen fühlte . . . ״Diesmal redest Du wie ein richtiger Schlemihl, wie ein Erzschlemihl,44 versuchte sie mit einem Scherzwort ihn abzulenken, ״wer sagt Dir. daß dieses Joch mir zu schwer ist? Sehe ich vielleicht so aus? Sieh mich doch einmal genau an. ob ich durch die viele Arbeit abgemagert bin; im Gegenteil stark und kräftig bin ich dadurch geworden — und da kommst Du und willst mir einreden. daß mir die Arbeit zu viel wird — wahrhaftig, so etwas kann nur mein Mann, der Schlemihl, sagen! . . .44 ״Aber ich fühle es in jedem Augenblicke, wie unrecht ich tue.“ klagte R. Jekele, ״wenn ich sehe, wie Du den ganzen Tag arbeiten mußt, wie Du allein die ganze Last der Versorgung der Familie trägst, und niemand Dir dabei hilft — von heute ab werde ich Dir zur Seite stehen, um, wenn auch nur ein wenig, das Joch Dir zu erleichtern! . . .i4 Rechele konnte sich des Lachens nicht enthalten, denn sie mußte daran denken, wie R. Jekele nach der Hochzeit in dem Laden, den sie damals noch hatte, gestanden und den Kunden die Ware mit dem Nigun angepriesen hatte, wie er beim ״Lernen‘4 üblich ist; bisweilen war es vorgekommen, daß ihm plötzlich ein Gedanke einfiel, wie man einen ״harben Rambam44 verantworten könnte, da wußte und hörte er nichts von dem, was um ihn geschah, und wenn jemand in seiner Gegenwart die ganze Ware aus dem Laden gestohlen hätte, hätte er ihn nicht