Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 110)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Aus der alten Zeit. sich zu putzen und sich hübsch anzuziehen. Die Kleider, die sie am Schabbos trug, waren streng modern, und von Zeit zu Zeit blickte sie in den Spiegel, um wohlgefällig ihre schöne Erscheinung zu betrachten. Auch bemühte sie sich, ihren Mann in Liebe an sich zu fesseln, daß er seine Schüler und . seine Bachurim vergaß und ihrer nicht gedachte, sondern die ganze Zeit in Liebe an ihr hing. Auch zeichnete sie sich in jenen Tagen durch ihre Herzensgüte und Wohltätigkeit in unübertroffenem Maße aus. Die Armen der Stadt kamen scharenweise ins Haus, und da war keiner, den sie mit leeren Händen entließ. Verschämten Armen schickte sie die Gaben ins Haus, ohne daß sie auch nur ahnten, woher sie kamen. Kurz, in jenen zwei Tagen war sie «die Krone der Frauen, eine Perle, eine Wohltäterin ohne Gleichen. Eines Tages hatte Hechele besonders viel zu Hause zu tun, und die Vorbereitungen, die sie zu Ehren des Sabbaths traf, waren umfangreicher als jemals . . . ״Warum machst Du heute so viel Vorbereitungen?״ fragte ihre Tochter Perele. ״Ein sehr lieber Gast kommt an diesem Sabbath und wird an unserm Tische speisen.“ ״Wer ist es denn?“ ״Mein Vetter Davidl kommt aus Rumänien und wird sich einige Tage bei uns aufhalten — freust Du Dich nicht auch über diesen lieben Gast?“ Perele antwortete gar nichts, nur eine zarte Röte bedeckte ihre Wangen, und ihre Augen leuchteten. Von diesem Augenblick an gab sie sich die größte Mühe, ihrer Mutter zu helfen, und sie putzte alle Gefäße, bis &ie spiegelblank waren, wusch das Tischzeug, überzog Kassen und Decken mit neuen Tiberzügen. reinigte die Lampenbassins, und tauchte so das ganze Haus und alle Geräte in Glanz und Pracht, und das alles vollbrachte sie heiter und fröhlich. Auch R. Jekele kam in die Küche, stellte sich neben seine Frau und stand da, indem er mit viel Behagen seine Pfeife rauchte . .