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Jeschurun · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1918) · page 108

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
– (sequence 108)
Language
German
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364 Aus der alten Zeit. ״Und was sagst Du dazu, mein Sehwarzkopf?“ wandte er sich an seinen Schüler, den schwarzen Ahronle, der zu seiner Rechten saß. steckte bei diesen Worten die Hand unter seine Achselhöhle und kitzelte ihn dort mit seinem Finger, so daß der arme Boehur, der etwas nervös war, vor Lachen sich um sich selbst drehte, mit Händen und Füßen zappelte und sich auf dem Boden wälzte . . . So brachte R. Jekele die ganze Woche mit dem Thorastudium und mit dem Unterricht seiner Schüler in Fröhlichkeit, in Reichtum und Ehren zu. Nur zwei Tage in der Woche widmete er sich seiner Familie: am Schabbos und den Tag vorher; da erfreute er seine Frau und seine Kinder, da war er Vater und Gatte in des Wortes wahrster Bedeutung. Aber auch seine Frau zog sich da von allen ihren Geschäften zurück, und der Kaufmann verwandelte sich in eine gütige und schlichte Frau, die ihren Mann und ihre Sprößlinge mit aller Liebe umgab und ganz in der Führung des Haushaltes aufging, ln eine Frau von echtem Schrot und Korn. Da mußte ihr ihre Tochter Perele den Schlüsselbund zurückgeben, den sie ihr anvertraut hatte, und sie übernahm wieder selbst die häuslichen Angelegenheiten, die sie in ihre Hand gelegt hatte. Die mollige, blühende Frau lief nun flink wie ein Reh von einer Stelle zur andern, vom Keller zum oberen Stock und vom oberen Stock in die Küche, und überall legte sie Hand an, beim Backen, beim Kochen, beim Ausbessern der Kleider und bei allen Anordnungen im Hause. Hurtig ging sie mit ihrer Magd auf den Markt und kaufte dort Fleisch, Fische, Eier, Fett und was sie sonst brauchte. Kaum hatte sie diesen Teil ihrer Arbeit beendet, goß sie frisches kaltes Wasser ein und ließ ihre Kinder im Gänsemarsch antreten, zog jedem einzelnen schnell die Kleider aus, daß sie nackt vor ihr standen. Mit Wasser und Seife wusch, säuberte unü reinigte sie ihre Kinder von Unsauberkeit und Schmutz so gründlich, daß sie unter ihren reibenden und scheuernden Händen wie Fische im Wasser zappelten und sprangen.

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