Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 107)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2292929-2292980-2292984--02925-2296198- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aus der alter! Zeit. 363 der Hand ein Zeichen, und die dreißig Bachurim nahmen ihm den Rest seiner Worte vom Munde weg -— ״folglich“, fuhr R. Jekele fort, ״ist als bewiesen anzunehmen“ — auch jetzt beendete er seine Worte nicht, denn dreißig Stimmen verkündeten gleichzeitig, was daraus bewiesen war. ״Riehtig“, bekräftigte R. Jekele ihre Worte. ״Und nun wollen wir den Rambam ausreden“, — und die dreißig Bachurim redeten den Rambam aus. ״Sehr gut“, nickte ihnen R. Jekele zu. ״Und nun paßt scharf auf, ganz scharf“, wiederholte er, ״aus dem bisher Gesagten geht hervor . . .“ und die Folgerung zogen die Bachurim selber. ״Ganz recht!“ lobte sie wieder R. Jekele. ״Und nun stellt euch vor, wenn man die Worte R. Chijas nach der Auffassung des Maharscha erklärt“ — und die dreißig Bachurim vervollständigten seine Rede — ״dann“, fuhr R. Jekele in immer langsamer werdendem Tone fort, ״dann brauchen wir nur den Maharscha auf der einen Seite und die Theorie des Rambam auf Grund meiner Auffassung auf der anderen Seite ins Auge zu fassen, so stellt sich ganz klar heraus, daß —“ R. Jekele gab mit der Hand Wink und Zeichen, und die dreißig Bachurim fielen wie hungrige Wölfe über den Rest her und riefen triumphierend aus: ״daß der Rambam dem Talmud absolut nicht widerspricht!!!“ — ״Und was ist ferner daraus zu folgern?“ fragte R. Jekele die Schar seiner Jünger. * Sechzig Augen blickten ganz erstaunt auf R. Jekele, denn keiner wußte, was noch aus dem Verlauf der Diskussion zu folgern sei. Doch R. Jekele riß sie bald .aus der Verlegenheit .... ״Was ferner daraus folgt“, fuhr er fort, ״ist, daß auch Ihr einander nicht widersprechet, sondern daß jeder einzelne von Euch ein Esel für sich ist!“ Ueber diese letzten Worte mußten sie alle laut lachen, denn jetzt war keiner auf den anderen mehr böse, da ihr Lehrer keinen Unterschied zwischen ihnen gemacht und niemandern den Vorzug vor dem andern gegeben hatte . .