Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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362 Aus der alten Zeit. Du auf dem Herzen hast“, wandte er sich danach an einen anderen Bochur unter seinen Schülern. Auch dieser Bochur trug seine Ansicht mit schallender Stimme und unter vielen Handbewegungen vor. ״Schön“, erwiderte R. Jekele, ״Und Du?“ wandte er sich an den dritten. Und so hörte er alle bis zu Ende an. ״Ich habe Euch jetzt alle angehört“, begann er darauf bedächtig, indem er mit vollen Zügen an seiner Pfeife sog und den Rauch langsam aus Mund und Nase hervorblies, daß er in Ringeln aufstieg, die Luft erfüllte und das ganze Zimmer in eine Wolke einhüllte . . . ״Und nun“, fuhr er aus dem Wolkendunkel heraus fort, ״wollt Ihr nun, daß ich mein Urteil abgebe? . . . ״Ja, ja!“ riefen dreißig Stimmen mit einmal, ״der Rebbe möge sagen, wer von uns Recht hat?“ ... ״Ihr habt alle miteinander Recht“, entschied R. Jekele, ״ihr unterscheidet Euch auch nicht um eines Haares Breite voneinander“. . . . ״Alle miteinander?“ fragten sie erstaunt und verwirrt; glaubten sie doch, daß ein himmelweiter Unterschied zwischen ihren Ansichten sei . . . ״So ist es in der Tat“, antwortete R. Jekele lachend, ״jeder einzelne von Euch hat Recht, wenn er von dem andern behauptet, er sei ein Esel, denn Ihr seid alle zusammen eine Ge- Seilschaft von Eseln und könnt nicht einen Hund aus dem Ofen locken!“ . . . ״ ןNun denn“, riefen alle, ״so möge uns der Rebbe sagen, wie er den Rambam versteht, der doch mit dem Talmud in einem offenbaren und unlösbaren Widerspruch steht.“ . . . ״Gut, ich will es Euch sagen“, erwiderte R. Jekele, nachdem er ein parmal gehustet hatte, indem er nach seiner Gewohnheit die Hand zusammenballte und den Daumen wie einen Wegweiser vorstreckte. — ״Also paßt genau auf: Nach dem Zusammenhang der talmudischen Erörterung steht fest“ — er beendete seine Worte nicht, sondern gab ihnen mit