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Jeschurun · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1918) · page 102

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
– (sequence 102)
Language
German
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358 Die Juden in Rußland und Polen. weise setzte er hinzu, daß die Religion des Kreuzes ״das reinste Symbol umfassenden Bürgertums“ sei. Sein Plan bestand darin, in allen Städten des Ansiedelungsgebietes Elementar- und Mittelschulen für den Unterricht in weltlichen Gegenständen, aber ebenso auch für die Belehrung in der jüdischen Religion ״gemäß der heiligen Schrift“ zu eröffiien. Diese Institute soUten nach und nach an die Stelle der bestehenden jüdischen Schulen treten, die die verderblichen Lehrmeinungen des Talmuds lehrten. Um sich die Mitarbeit der Juden zu sichern, oder richtiger, um ihre Gegnerschaft auszuschalten, wurde Dr. Max Lilienthal, der in Riga eine moderne jüdische Musterschule eingerichtet hatte, aufgefordert, für die Bestrebungen der Regierung P10paganda zu machen. Für die Lösung dieser Aufgabe fand Dr. Lilienthal bei den reichen Juden, die schon modernisiert waren oder nach Modernisierung verlangten, ein gewisses Entgegenkommen, sah sich aber der hartnäckigen Gegnerschaft der konservativen Masse der Juden gegenüber, die es geradezu aussprachen, daß die geheime Absicht der Regierung sei, sie zum Taufbecken zu führen. Diese Juden wurden ein wenig durch die feierliche Versicherung Dr. Lilienthals beruhigt, daß er seine Stellung sofort aufgeben werde, falls er den Verdacht gerechtfertigt finde. Im Jahre 1844 erließ der Zar zwei Dekrete. Das eine, zur Veröffentlichung bestimmt, forderte die Begründung eines Netzes jüdischer Elementarschulen und die Errichtung von zwei Rabbinerseminarien. Das andere, vertraulich verschickt, unterwies die Behörden, wie diese Schulen zu gestalten seien, und führte aus, daß ״das Ziel der Erziehung der Juden darin bestehe, sie der christlichen Bevölkerung näher zu bringen und die durch den Talmud eingepflanzten Vorurteile auszurotten.u Im folgenden Jahre verließ Lilienthal plötzlich Rußland ,und zog nach Amerika. Die Veranlassung ist klar: er hatte die Absichten der russischen Autokratie durchschaut. Unter den Maßregeln, die sich gegen die geistige Eigen־ art der Juden richteten, war auch der alte kleinliche Laden-

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