Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 89)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Maschal im Midrasch. 345 liebgewinnt und ihm ganz besondere Aufmerksamkeit zuwendet. Er bestimmt, daß es auf einen ausgesucht schönen Weideplatz geführt werde. ״Nehmt euch in acht, daß es niemand schlage, befiehlt er morgens den Hirten, und wurde die Herde abends eingetrieben, so schärfte er in bezug auf den sich ihr anschließenden Hirsch besonders ein: ״Gebt ihm gut zu trinken!“ Und so steigerte sich seine Liebe tagtäglich zu ihm. so daß die Hirten ihn fragten: ״Du hast so viele Lämmer, viele Böckey viele Zicklein und keines dieser vielen Tiere empfiehlst du unserer besonderen Fürsorge, nur um diesen Hirsch erteilst du uns Tag für Tag Befehle, ihm unsere schützende Sorgfalt zuzuwenden.“ Der König antwortete: ״Meine Schafe, ob sie wollen oder nicht wollen, die Tagesordnung verlangt es, daß sie morgens zur Weide hinausgehen und abends in den Stall heimkehren. Aber die Hirsche, sie leben frei in der Wüste dort hausen sie, gehen nicht unter die Menschen, sollten wir es nun nicht einem mit Güte vergelten, wenn er sein freies Leben in der großen und weiten Wüste aufgibt, den Kreis seiner Genossen verläßt und in das umgrenzte Gebiet zu uns sich begibt?“ Dies gilt auch für uns. Sollen nicht auch wir es mit Güte dem Fremden vergelten, der Familie, Vaterhaus und Nation auf gegeben und zu uns gekommen ist? Darum wird es Israel ans Herz gelegt: ״Liebet den Fremden!“ Man vergleiche mit dieser altjüdischen Wertschätzung des ״Fremden“ diejenige der auf der ״Kulturhöhe“ stehenden Völker einer späteren Zeit oder der jüngsten Vergangenheit! Nicht immer wird eine ganze Erzählung als Gleichnis angewt' 1•?t. es genügt oft ein kürzerer Hinweis auf Beispiele aus dem Leben. Um zu verdeutlich•׳",-, warum gerade der fromme Abraham so oft geprüft worden ist, weist anlehnend an den Vers ״Gott prüft den Frommen“ (Ps. 11, 5) ft. Jose auf die Tatsache hin, daß schlechter Flachs weniger stark gehechelt werde als guter, da dieser durch das stärkere Klopfen immer besser und gebrauchsfähiger werde. R. Jonathan weist auf das Gewerk des Töpfers hin, der die Haltbarkeit seiner frisch gebrannten Töpfe nicht durch Klopfen an die rissigen, sondern