Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Maschal im Midrasch. 343 Daß nun diese Fabeln, wenn sie auch Aussprüchen der heiligen Schriften zur Erläuterung dienen sollen, jüdischen Ursprungs seien, ist durchaus nicht gesagt, das Wahrscheinlichere ist, daß sie es nicht sind, das aber ist auch gleichgiltig. Woher das Bild, fragte man nicht, war es zutreffend und packend, so griff der Redner zu ihm, und der Einwirkung auf die Geraüter seiner Zuhörer konnte er sicher sein, besser als der trockene Moralprediger, der bald langweilig wird. Die Rabbinen nahmen eben das Gute, wo sie es fanden, wenn es der Belehrung des Volkes und seiner Erziehung dienen konnte. Scheuten sie sich doch nicht, selbst auf die Mythe der heidnischen Gotteriehre der Griechen in ihren Reden zurückzugreifen, wie es die Anwendung von der Fabel der Ariadne beweist. Es wird vor dem Versuch, tief in die Geheimnisse der Natur einzudringen, um das Walten der Gottheit in seiner ganzen Größe zu erkennen, gewarnt; nur geringe Erkenntnis sei dem Menschen gewährt, über seine Grenzen hinauszugehen, bringe ״Auf und ab, so gehts in der Welt, so geht es uns beiden. Ist es doch also der Lauf! Erniedrigt werden die einen End die andern erhöht nach eines geglichen Tugend.a Dies ist also die Tendenz der Fabel, die in der Vorlage, die Goethe benutzt hat, sich findet und von früher her übernommen ist. Nun kann eine Fabel oft auch eine doppelte Tendenz haben, und dies ist bei der vorliegenden der Fall, sie lehrt, wie der Schuldlose, und für einen solchen gibt sich ja der Fuchs aus. gerettet und der Schuldbeladene für jenen in Not und Pein kommt, das drückt der jüdische Fabelsammler durch das Schriftwort;צדיק כלצרד usw. aus. Aber diese Fabel kann auch die Lehre von der abwägenden göttlichen Gerechtigkeit enthalten und lehren, wie darum der Mensch gerechte Wege und gerechtes Gericht handhaben soll, sind ja gerade die auf- und absteigenden Eimer ein sinn־ fälliges JBild für die auf־ und niederschwebenden Schalen einer Wage, wie es die Tendenz im ״Eeinecke*‘ ausdrückt, was aber der jüdische Sammler mit בלאזיי צדק sagen will. Welche Quellen Raschi und R. Hai Gaon, in denen der Rest der Fabelnsammlung des R. Maier sich ererhalten hat, benutzt haben, wissen wir nicht: sicherlich hat sich in der von Raschi benutzten Quelle für diese Fabel die Doppeltendenz vorgefunden, die dann Raschi veranlaßt hat. das צדיק ך?כלד נאבלד usw. hinzuzufügen.