Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2292980-2292984--02899-2296172- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das Maschal im Midrasch. 337 Das Mascha! im Midrasch, Von Prof. A. Sulzbach. Frankfurt a. M. Wenn wir vom Midrasch schlechthin sprechen, so verstehen wir darunter den Midrasch der Agada im Gegensatz zum halachischen Midrasch. Der agadische Midrasch zum Pen־ tateuch und den fünf Megilloth. Midrasch Rabba, (oder Rabboth) genannt, ist der bekannteste, außer diesem gibt es aber noch eine große Zahl, zunächst nur in gelegentlichen Zitaten erwähnte Midraschim, die uns mehr dem Namen als dem Inhalte nach bekannt sind, von denen aber die neuere Zeit auch einige ans Licht gebracht hat. Was nun die Midraschim, die sich fortlaufend dem Text an schließen, betrifft, so handelt es sich hier nicht um Worterklärungen, sondern um Inhaltserforschung; aus dem gegebenen Vers soll Ethik und Moral gewonnen werden. Ermahnungen und Warnungen, Erhebung und Ermunterung an das Volk gerichtet in Reden, die an den Sabbathen1) vor öffentlicher Versammlung gehalten wurden. Nun bietet der Midrasch uns nicht die Reden selbst, sondern nur die Skizzen zu ihnen, aber diese bieten uns genug Material, die Methodik kennen zu lernen, die die Gelehrten bei ihren Vorträgen anwendeten. Sehen wir das an einem Beispiel. Es kommt oft vor, daß ein Vers der Schrift, der das Thema des Vortrags bilden soll, durch einen anderen Vers aus der Schrift erläutert wird, z. B. Wenn an Abraham der Befehl ergeht: לך לך מארצך וכי', so leitet Midrasch r. 39. 1: die Betrachtung über diesen Vers ein: ר' יצחק פתח שמעי בה וראי והטי אזנך ישבחי עמך ובית אביך. Was will R. Jizchak mit diesem Zitat aus den *) An dem Wohnsitz des Patriarchen scheint dieser selbst den Vortrag gehalten zu haben. Vgl. Beraehot 28 a. Diese Vorträge für das Volk waren agadische, die halachischen eigneten sich für solche Ver- Sammlungen nicht, auch sah man das tiefe Eingehen in halachische Diskussionen als Beeinträchtigung der Sabbathweihe und Sabbathruhe an, die auch in der Freude am Genuß ihren Ausdruck finden sollte. Vgl. Sabbath 119 b ר, ז׳רא כי חזא וכד׳, vgl. dazu Baschi. Nur an den Sabbathen vor den Festtagen trug man die Halachot vor, die die Verordnungen für die Festtage enthalten. Vgl. Beza 25 b בטזבתא דרגלא; s. Baschi. das. 23