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Jeschurun · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1918) · page 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
– (sequence 79)
Language
German
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Jüdisch-Deutsch und Hebräisch. und ihrer Literatur dienen, daß ein solches Lesebuch Stichproben aus den verschiedensten Literaturtypen des betreffenden Volkes dem Kinde reichen soll, um es auf diese Weise den eigentlichen geistigen Quellen seines Volkes zuzuführen, so ist nicht abzusehen, wie der Jargon beim besten Willen diese Forderung erfüllen kann. Ja wir hegen die Befürchtung, daß er vermöge seiner ganzen geistigen Konstruktion das jüdische Kind von den eigentlichen jüdischen Quellen ablenken wird. Schon darum allein müßte die hebräische Sprache bevorzugt werden. Abgesehen von der Form also, deren Bedeutung für die Schule und Erziehung nicht zu unterschätzen ist, unterscheidet sich Hebräisch von Jargon durch den Inhalt, und würde dieser Unterschied auch dann bestehen, wenn die hebräischen Fächer Tanach und Talmud ihre Berücksichtigung finden würden; d. i.. wenn die Jargonschule das Programm der hebräischen annehmen sollte, denn auch in diesem Falle würde man unvergleichlich mehr leisten, wenn hebräisch die Unterrichtssprache ist, weil sie die Handhabe bietet sehr viel jüdisches Wissen auch auf indirektem Wege dem Kinde zuzuführen. Noch eins darf nicht außer Acht gelassen werden. Wir leben in einer Zeit, in der alle Nationen der Welt danach streben, anstelle der einander feindlich gegenüberstehenden Völkergruppen Völkerbündnisse zu schaffen, obgleich sie sich dessen bewußt sind, wie schwer eine Vereinigung der durch Abstammung, Nationalität und Sprache von einander so verschiedenen Elemente ist, und daß ein derartiges Bündnis jeder einzelnen Nation Opfer auf erlegen und sie hindern wird. Sonderbestrebungen und eigenen Interessen nachzugehen. Sollte bei uns Juden, die wir von Natur ein einheitliches Volk sind, deren gemeinsame Abstammung, Nationalität, Sprache und Beligion über jeden Zweifel erhaben sind, und die nur infolge des traurigen Golus von einander geschieden sind, diese Bestrebung nicht in weit höherem Maße vorherrschend sein, zumal sie unseren Sonderinteressen von großem Nutzen sein wird? Das wirksamste Mittel für die Wiedergewinnung der verlorenen Einheit ist zweifelsohne die Sprache, die eine Verständigung zwischen den einzelnen Juden erst ermöglicht. Daß es aber der Jargon nicht sein kann, wird jedem einleuchten, der weiß, daß abgesehen von den Spaniolen auch die in den zivilisierten Staaten wohnenden Juden den Jargon entweder nicht verstehen oder nicht mehr verstehen wollen, und selbst der beste Jude sich schwer dazu entschließen wird ein Kauderwelsch zu lernen, um mit seinen östlichen Brüdern zu verkehren, er wird im Gegenteil von diesen verlangen, eine Kultursprache zu lernen. Desto eher wird sich jeder Jude prinzipiell dazu verstehen, unsere alte nationale Kulturspräche, die einem jeden aus der Bibel und aus dem Gebetbuch mehr oder weniger bekannt ist, zu lernen. Wenn daher unsere Jugend für die Idee der Einigung und Einheit Israels, für die Wiedergewinnung

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