Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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334 Jüdisch-Deutsch und Hebräisch. Schule am besten entwickelt werden. Aber hier erhebt sich die Frage: verlohnt es sich denn den Jargon, diese Golusblüte ״par excellence“ der in der Art seiner Zusammensetzung, in seiner sprachlichen Verstümmelung ein wahres Abbild der im Golus dem jüdischen Volke angehefteten Gebrechen körperlicher und geistiger Natur ist, unter Umgehung unserer eigentlichen Nationalsprache auf den Thron zu heben—als Unterrichtsspräche unserer Schuljugend zu krönen, sie zu pflegen und zu entwickeln? Kann der Jargon, den unsere Vorfahren in Deutschland, ehe sie in die Mauern des Ghettos gedrängt wurden, auf dem Wege der Assimilation bei ihrem Wirtsvolke erlernt, und auf demselben Wege durch die Sprache ihrer gegenwärtigen Landesgenossen bereichert, ein festeres Boliwerk gegen die Assimilation bilden, als diejenige Sprache, die sie bei ihrem Volks werden von Gott erhalten haben? Dem großen Mischnaredaktor, Rabbi Jehuda Hanassi, wird nachgerühmt, daß er im Gegensätze zu den übrigen Mischna- und Talmudweisen, die sich bei ihren Studien auch des aramäischen Idioms bedienten, stets es verschmähte anders als rein hebräisch zu sprechen:;1לפזרן סירסי לכלך) denn, so meinte er, ״wozu eine verstümmelte Sprache sprechen או עברית אר ירכית entweder hebräisch oder griechisch.'‘ Wenn auch unsere aschkenasischen Größen der letzten Jahrhunderte sich des Jargons als Umgangssprache bedienten, so kamen sie doch der Forderung des Rabbi Jehuda Hanassi insofern nach, als sie alle ihre Geisteserzeugnisse in hebräischer Sprache schrieben. Abgesehen von der sogenannten modernen Jargonliteratur, die das Produkt der letzten Jahrzehnte ist und abgesehen von einigen für Frauen und Ame Haarez bestimmten Büchern, gibt es kein einziges Jargonwerk von wissenschaftlicher oder literarischer Bedeutung, wie denn überhaupt unser ganzes jüdisches Schrifttum, insofern es von bleibendem Wert ist, entweder hebräisch geschrieben oder aus den fremden Sprachen ins Hebräische übertragen wurde. Diese Tatsache muß darum besonders hervorgehoben werden, weil sie mehr als jeder logische und historische Grund für Hebräisch als Unterrichtssprache spricht. Denn wenn^die Mutter- oder in diesem Falle die Unterrichtsspräche dazu dienen soll, dem Kinde die Geistesschätze seines Volkes zu rr^rhließen, oder wie Herr Dr. Unna sagt, dem Kinde die Welt im jüäi..> י Lichte zu zeigen, welche jüdischen Geistesschätze sollte also der Jargon dem Kinde erschließen? Und wird nicht die Welt in den Sprachrahmen der Bibel und Propheten gefaßt, dem Juden besser erhellt, als durch die Sprache der Germanen und Slaven? Bedenkt man noch, welche Rolle das in der Unterrichtssprache abgefaßte Lesebuch in der Schule spielt, daß es der Erweiterung und Vertiefung der andern Wissenszweige nur indirekt, in der Hauptsache aber der eigenen Muttersprache ג) Sota 19 b.