Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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Talmudische Miscellen. 3 29 die Schammaiten mit den erwähnten Worten נוח לו לאדם שלא נברא יוחר משנברא lediglich nach ihrer Mutmaßung die subjektiven Empfindungen der durch Sorgen und Beschwerden aller Art geplagten Menschheit wiedergegeben, keineswegs jedoch objektiv die Wert- und Nutzlosigkeit der Menschenentstehung ihrerseits behauptet. Würde man die Menschen befragen — also glaubten die Schammaiten — so würden sie auf ihr Dasein gerne venzichten. Dem gegenüber vertreten die Hilleliten die Ansicht, daß es dem Menschen — trotz Elend und Jammer — letzten Endes doch lieber sei zu existieren als nicht zu existieren. So wogte denn der Meinungsstreit lange Zeit unentschieden hin und her. Um aber endlich absolute Gewißheit hierüber zu erlangen —נפ?נו. schritten sie zur Zählung, zur Volksabstimmung וגמרו, die tatsächlich das Ergebnis hatte: נוה לו לאדם שלא נברא יותר משנברא, daß es dem Menschen behaglicher gewesen wäre, dem harten Daseinskämpfe nicht ausgesetzt worden zu sein. Diesem Majoritätsvotum wurde jedoch höchst bedeutsam die Bemerkung, die Mahnung angeschlossen: ועכשיו שנברא יפשפש במעשי nachdem er nun einmal erschaffen wurde — so kann und darf vernünftigerweise der eigentliche Zweck der Menschenwerdung nicht im frohen, sorglosen Genießen der diesseitigen irdischen Freuden, sondern vielmehr in der — im Schmelztiegel der Leiden zu gewinnenden — sittlichen Läuterung und Veredelung des Herzens und Gemütes, im unerschütterlichen Gottvertrauen, im treuen Befolgen des göttlichen Geheißes, kurzum in der rechten Vorbereitung für das künftige Leben erblickt werden. Deshalb יפשפש במעשיו, durchsuche der Sterbliche in der ״Vorhalle* immer aufs neue seine Taten, bereue er sie, wenn sie moralisch verwerflich waren, oder, nach einer anderen Lesart. ימשמש במעשיו, befühle, prüfe er vorher die zu vollziehenden Handlungen, ob sie den Forderungen des Moral- und Sittengesetzes entsprechend sind, um dereinst in den himmlischen ״Palast“ Einlaß zu finden und des künftigen Seelenheiles teilhaft zu werden“. Und dies ist ja schließlich auch das positive Ergebnis der an Gegensätzen, an Widersprüchen so überaus reichen