Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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326 Charakterbilder unserer großen Gesetzesiehrer. und der Aussicht auf Lohn in einer besseren Welt erfüllen sollen: auch wird an vielen Beispielen die Möglichkeit einer Rettung aus gefahrvoller Lage 'darge'tan. In seiner Dar- Stellung schaltet Nissim ziemlich frei mit den agadischen Texten, denen er auch, um sie recht anziehend zu gestalten, die Form des Dialogs und eine dramatische Belebtheit verleiht. So lernen wir in R’Nissim einen 'Mann kennen, der, auf der Höhe der zeitgenössischen Bildung stehend, als klarer Denker Glauben und Vernunft in sich vereinigte, in erster Reihe für das Talmudstudium erfolgreich wirkte, das er zu vertiefen suchte, durch Abstammung und geistige Verbiridung mit dem ehemaligen Sitze der Gelehrsamkeit eng verbunden, das jüdische und arabische Bildungselement miteinander zu verbinden wußte, somit an die Glanzzeit der geonäischen Epoche anknüpfte, und darum mit Recht auch von der Nachwelt als Gaon bezeichnet wird. Er hatte aber auch, wie wir gesehen, für die seelischen und gefiihlsmäßigen Bedürfnisse weiterer Volkskreise das rechte Empfinden. Von seinen äußeren Lebensumständen wissen wir wenig;: bekannt ist nur, daß er in kärglichen Verhältnissen lebte, einen Sohn vorzeitig verlor und eine Tochter nach Spanien an Joseph Halevi, den Sohn des mit ihm eng befreundeten Nagid von Granada, Samuel ibn Nagedela, der später seinem Vater in dieser Würde folgte, verheiratete; die Ehe der körperlich etwas mißgestalteten Tochter R’Nissims mit dem nachmaligen Vezir gestaltete sich allerdings zeitweise wenig glücklich. Aber als Kind des großen Meisters genoß sie, die auch selbst ein großes Wissen besäße hohes Ansehen und fand nach dem tragischen Tod ihres Gatten in der Gemeinde Lucena liebevollste Aufnahme. Mit dem großen JTagfd verband R’Nissiin eine innige Geistesgemeinschaft, die noch dadurch enger geknüpft wurde, daß er ihm als Mittler für den Gedankenaustausch mit Ha! Gaon diente. Die Verschwägerung mit Samuel führte R’Nissim auch nach Spanien für einige Zeit, wo sich um ihn eine Anzahl eifriger Schüler scharte, so daß auf seine Wirksamkeit eine starke Förderung des Tälmudstudiums in diesem Lande bis zu einem gewissen Grade