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Jeschurun · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1918) · page 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
– (sequence 67)
Language
German
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Charakterbilder unserer großen Gesetzeslehrer. 323 außer in einer von Goldenthal, Wien 1847, besorgten Ausgabe, letzt auch in der großen Wilnaer Talmudedition vor. Bemerkenswert ist an dem Mafteach die ausgedehntere Benutzung des jerusaiernischen Talmud, den er nicht nur zu Erklärungen des Babli anführt, sondern auch, wenn eine solche gar nicht erforderlich ist, ihm aber der Ausspruch im Jeruschalmi sonst zusagend erscheint; mit Vorliebe sucht er Widersprüche zwischen den beiden Talmuden auszugleichen. Nissim verfaßte auch, nach dem Vorbilde mancher Geonim, eine ״Geheimrolle'4 מגלת סתרים. in der er, teils in hebräischer, teils in arabischer Sprache, seine Ansichten über ethisch-philosophische Probleme, über die Auffassung agadischer Stellen im Talmud, wie auch hälachische Bestimmungen niederlegte. Das Werk, ursprünglich wohl nur für den eigenen Gebrauch bestimmt, zeigt uns den Verfasser, ebenso wie in seinem Mafteach, als einen mit den Bildungselementen seiner Zeit vollkommen vertrauten Gelehrten. Nissim tritt uns hier, ganz im Geiste der damaligen Vertreter des sogenannten Kaläm der mohammedanischen Denker, wie sie die religiöse Richtung der Muta’ziliten zeitigte 1)י als maßvoller Rationalist Unter Kaläm, eigentlich ״Unterredung“, versteht man die mündliehe Verhandlung über Lehrsätze, die eigentlich vom religiösen Leben als undiskutierbare Wahrheiten betrachtet werden sollen, die aber doch von spekulativ veranlagten Männern einer philosophischen Behandlung unterzogen werden, die den religiösen Lehren als Stütze dienen soll. Diese Art der Discussion pflegten besonders die Vertreter einer Richtung, die sich, aus streng frommen Grundsätzen heraus, absonderten, um ein asketisches Leben zu führen, daher Mut’azititen genannt wurden. Keineswegs sind sie. wie das landläufige Urteil lautet, als Freidenker anzusprechen; sie betonen vor allem, daß in der göttlichen Weltenlenkung keinerlei Willkür herrscht, und, daß dem Menschen die Willensfreiheit verliehen ist. wodurch sie zu rationalistischen Denkern gestempelt wurden und im Gegensatz zur islamitischen Orthodoxie standen (Vgl. Goldziher, Vorlesungen über den Islam, S. 100 fgg). Der Kaläm. der übrigens auch viele Elemente deT griechischen Philosophie aufgenommen hat. fand eine starke Vertretung unter den Jüdischen Keligionsphilosophen; sehr heftig hat einige seiner Theorien bekanntlich der רילב״ם am Ende des ersten Teiles seines More bekämpft. 22*

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