Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Von den Juden Ostgaliziens und ihrer Jugend. 315 reiferen Jugend, doch es genügt eine einzige Persönlichkeit am Ort, die als Vorbild in Anschauung und Tat in der Lage ist, die Jugend für unser altes Ideal zu begeistern. Da wäre es nun Aufgabe der A. J. — und diese Aufgabe ließe sich sogar jetzt in Kriegszeiten lösen — in die wenigen größeren Städte je einen einzigen jungen Mann zu entsenden, der jüdisches und profanes Wissen in sich vereint, und so Schöpfer und geistiger Leiter der Jugendgruppe werden kann. Solche jungen Männer gibt es in Österreich und besonders in Ungarn noch genügend. Vielleicht würde ein kleiner Zuschuß genügen, um diese zu veranlassen, ihren Wohnort mit einer galizischen Stadt zu vertauschen. Auf diesem Wege könnte man meiner Meinung nach schon einen erheblichen Fortschritt anbahnen ohne das schwere Geschütz der Schulreform aufzufahren. In entsprechender Weise müßte die Gründung von Mädchengruppen vor sich gehen. Ein dreifaches wäre die Aufgabe dieser Jugendvereine. Erstens den aus den Kreisen des עם הארץ stammenden Mitgliedern die positiven jüdischen Kenntnisse zu übermitteln, die zum Verständnis für die jüdische Lebensführung erforderlich sind. Zweitens bei ihnen sowie den mit jüdischem Wissen ausgestatteten Mitgliedern die Geschichte des jüdischen Volkes und seine Literatur, insbesondere die einzelnen 1םציר in ihrem Sinn und Zusammenhang dem Verständnis näher zu bringen, was etwa in der Art von S. B. Hirsch angestrebt werden könnte. Die ׳19״ Briefe“ beispielsweise, die ich in Lemberg vorgetragen und erläutert habe, fanden ein mich selbst überraschendes Interesse bei der Jugend. Wenn dieser zweite Erziehungsfaktor auch schon erheblich zur Hebung des orthodoxen Selbstbewußt seins und Zusammengeh örigkeitsgefühls dienen kann, so wird der dritte Faktor den Erfolg abrunden können. Ich denke an die Aufklärung über jüdische Zeitströmungen. Stützen müssen sich die ׳Tugendgruppen, wie gesagt, immer auf die streng gesetzestreuen chassidischen Kreise. Daß es viel schwerer ist. solche Mitglieder zu werben, als