Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Von den Juden Ostgaliziens und ihrer Jugend. so Hegt das daran, daß man in der Tat fast nichts von der A. J. in Ostgalizien merkt. Wohl wurden kurz vor Kriegsbeginn in einzelnen größeren Städten Ostgruppen der A. J. gegründet; doch bald übte dort wie bei uns der Krieg seine lähmende Wirkung auf die Tätigkeit aus. Dort allerdings mit größerem Rechte als bei uns. Denn es kam die russische Invasion, die zahlreiche galizische Juden, unter ihnen die Führer der A. J.-Bewegung, ins Hinterland flüchten ließ. In Wien wird zwar eine nicht zu unterschätzende philanthropische Tätigkeit, besonders für die galizischen Flüchtlinge, ausgeübt, aber das ureigene Gebiet, die Förderung der אמונה in Galizien, wird vielleicht nur in dem Waisenhausprojekt gestreift. An sich ist die Gründung orthodox geleiteter Waisenhäuser für die Kriegswaisen mit jüdischer und profaner Heranbildung — wie sie die A. J. erstrebt — eine zweifellos bedeutsame Aufgabe; die starke Befehdung des Projekts seitens der Zionisten spricht eher für als gegen das Werk. Jedoch käme die Gründung nur einem ganz kleinen Bruchteil der Bevölkerung zugute. Für die große Menge muß gearbeitet werden! Im einzelnen müßte die A. J. in den Städten Kommissionen einsetzen, die anstelle der uninteressierten Gemeindeverwaltungen zumindest für Wiederherstellung der alten Unterrichtsverhältnisse, der alten הררים Sorge tragen, in denen anständig besoldete, wenigstens jüdisch gebildete מלמדים angestellt werden. Vor allem aber müßte — und darauf lege ich den größten Wert — dort eine kräftige Jugen dorganis ation der A. J. ins Leben gerufen werden. Daß dies auch während des Krieges möglich ist, beweisen meine Erfahrungen bei der Gründung eines orthodoxen Jugendvereines in Lemberg. Nur die Jugend kann es sein, die dort den Anfang macht. Die Alten sind durch vielzuviele Vorurteile von einander getrennt. Die Jugend ist viel eher geneigt, sich in Begeisterung für ein Ideal über manche historisch begründete Schranken hinwegzusetzen, die das bedächtige Alter beiseite zu schieben sich sträubt. Leider fehlen infolge des Krieges gerade die zahlreichen Kräfte der