Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Von den Juden Ostgaliziens und ihrer Jugend. 313 degenerierenden Assimilation, angesichts der thoraentfremdenden Wirkung des Zionismus sich weigern, ihre Kinder aufs Gymnasium zu schicken. Typisch für die Stellungnahme dieser Kreise ist das Verhalten des Beizer Rebbe, der sich gegen eine Petition wandte; in der die Regierung um Befreiung der jüdischen Gymnasiasten vom Schulbesuch am שבת gebeten wurde. Er begründete seinen Standpunkt damit, daß viele fromme Leute, die jetzt ihre Kinder dem Gymnasium fernhalten, dann diese den Gefahren der schlechten Umgebung aussetzen würden. Wir verstehen ja, daß man der heranwaehsenden Jugend keine philosophischen Schriften in die Hand geben will, verstehen vielleicht, daß man sie von der fremden Dichtkunst fernzuhalten, alle Träger fremder Kultur möglichst aaszuschalten sucht. Aber während auf der einen Seite die jiddische — zionistisch geleitete — Presse ungestraft ihren Einfluß ausübt, wird auf der anderen Seite der Bogen bisweilen allzustraff gespannt. So ist es in manchen durchaus ernst zu nehmenden Kreisen streng verpönt, תנ״ך mit der Erklärung des מלבים zu lernen. Gerne wollen wir anerkennen, daß es weniger Feindschaft gegen die profane Bildung als solche ist, die zu dieser Ab- * sonderung führt, sondern Taktik der Notwehr gegen den um sich greifenden Abfall. Wir verstehen die Motive, und doch können wir sie nicht in dieser extremen Weise weiter wirkend wünschen, nachdem das System so kläglich Schiffbruch gelitten hat. Was wollen wir neues an die Stelle setzen? Diese Frage bewegt jeden von uns, der das Elend erkennt. Eine durchgreifende Änderung kann nur von grundsätzlicher Reform des Schulwesens erwartet werden. Diese ist eine Frage für sich, und da auon ihre Lösung jetzt im Kriege dort nicht zu erwarten steht, will ich nicht näher auf sie eingehen. Doch ließe sich schon jetzt manche Stütze an dem morschen Bau anbringen, die den Ruin wenigstens so lange aulhalten könnte, bis ein neues Gebäude errichtet ist. Die berufene Instanz, die sich diese Aufgabe setzen sollte, ist zweifellos die Aguddas Jissroel. Wenn ich in meinen Ausführungen kein Wort über die A. J. habe verlauten lassen,