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Jeschurun · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1918) · page 56

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
– (sequence 56)
Language
German
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312 Von den Juden Ostgaliziens und ihrer Jugend. dortigen Juden annehmen, daß es vor dem Kriege weitaus besser war. Wenn man von einem verschwindend geringen Kreise absieht, ist das Resultat einer bewußten Erziehung eigentlich Null. Die הררים sind zum größten Teil geschlossen, die מלמדים sind eingezogen oder gehen betteln. So lernen die Knaben kaum hebräisch lesen, von einem Eindringen in den Sinn des Gebetes oder einem tieferen Verständnis des חומש, von elementarer profaner Bildung (Rechnen, deutsch oder polnisch lesen) kann selbst bei denen nicht die Rede sein, die die wenigen חדרים besuchen. Was die Knaben zu Hause lernen, ist nicht der Rede wert, da der Vater den Tag über seine Geschäfte hat. Um der Erziehung der Mädchen kümmert sich niemand; sie können lesen, lernen und treiben, was sie wollen. So lungern denn die Knaben und Mädchen auf den Straßen herum und sind den Gefahren der Straße ausgesetzt. Das einzige Interesse der Jungen ist schon im frühen Alter das Geschäft. Wenn trotz dieser außerordentlichen Vernachlässigung noch jüdisches Gefühl in ihnen pulsiert, so ist das im wesentlichen der unbeabsichtigte, unbewußte Einfluß des jüdischen Milieus. Daß dieser Einfluß aber nicht so nachhaltig sein kann, irgendwelche Anfechtungen selbst leisester und niedrigster Art abzuweisen, liegt auf der Hand. So wird die breite Masse der jüdischen Jugend Freigut, הפקר. Jeder, der will, langt zu und holt sie sich. Zuerst die Assimilation, jetzt mehr der Zionismus: was übrig bleibt, ist bestenfalls עם הארץ, und der eigentliche Eigentümer, das orthodoxe Judentum, meldet sich nicht, um von seiner Jugend Besitz zu ergreifen. Ausgehen könnte eine Restitution nur von jenem kleinen Teil der Jugend, die wirklich orthodox im alten Sinne geblieben, die noch על ברכי חורה erzogen, die noch jenes Maß von jüdischem Wissen sich aneignet, das wir an den Ostjuden zu bewundern haben. Daß diese Gruppe aber bisher keinen Einfluß ausüben konnte, ist verschuldet durch die bekannte hermetische Abschließung von der Außenwelt. Wir verstehen ja. daß die Alten angesichts der demoralisierenden und

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