Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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3IG Von den Juden Ostgaliziens und ihrer Jugend. Kinder von sechs Jahren bereits fließend hebräisch sprechen und in der hebräischen Sprache denken können. Die jüdische Gymnasialjugend ist fast ganz den Armen der Assimilation entrissen. Eine vorbildliche Organisation der Schüler, die dort ebenso verboten ist wie hier, windet ein starkes Band um die jüdischen Gymnasiasten. Die Form der Organisation ist etwa die des ״Blauweiß“, nur daß sie im Einzelnen noch konsequenter durchgearbeitet ist. Jede Klasse hat ihre eigene Gruppe der שוטרים, wie sie sich nennen, die gesondert unter Leitung eines älteren Mitglieds Ausflüge machen. Diese wird der Rahmen für die nationaljüdische Erziehung. Zur körperlichen Ausbildung dient hierbei das Marschieren und Turnen, wobei die jüdische Sprache als Kommandospraehe dient. Zugleich wird aber auch Geist und Gemüt in der beabsichtigten Weise gelenkt. Draußen im Walde werden jüdische, meist hebräische, Lieder gesungen, populäre Schriften über jüdische Geschichte, über Geographie Palästinas, insbes. über die jüdischen Kolonien, über die zionistische Organisation gemeinsam gelesen und besprochen, kurzum eine Art Fuxenunterricht. Es ist eine Freude zu sehen, wie die Jungen so eifrig bei der Sache sind. Man spürt den Hauch des Lebens und versteht, warum der Zionismus eine so tiefe Wirkung auf die galizische Jugend ausübt. Aber in den Becher der Freude mischt sich die Bitternis des Gedankens, daß so vorzügliches Menschenmaterial, das nur der Bearbeitung harrt, nur zu einem Torso verarbeitet wird. Unter den zahlreichen jüdischen Gymnasiasten Lembergs, die nun zum allergrößten Teil der D^£^*-Organisation angehören, ist kaum einer, vielleicht kein einziger, der am שבח nicht schreibt. Die Neueingetretenen werden in feierlicher Weise bei dem Flattern des blauweißen Banners auf die עשרה הדברות verpflichtet — allerdings nicht auf die ע״ה der תורה, das ist doch schon wegen des לא תעשה בל מלבה nicht angängig, sondern auf besondere ע״ה der cnD^'-Organisation. Dementsprechend ist denn auch der Ton, der bei den Veranstaltungen der שומרים herrscht. Ohne sich zu waschen, ohne eine ברבה zu