Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Von den Juden Ostgaliziens und ihrer Jugend. 309 dessen die Freiheit hat, ihre Jugend so heranzubilden und zu erziehen, wie sie es auf Grund eigener Systeme für richtig halt. Jede Gruppe hat dementsprechend die Jugend, die sie verdient. Als die Emanzipation zur Durchführung gelangte, füllten sich die Hallen der Gymnasien mit jüdischen Schülern. Die Gründe, weshalb die Juden ihre Kinder mit Vorliebe ins Gymnasium schicken, sind aus Deutschland bekannt. Hinzukommt in Österreich die Unentgeltlichkeit des Besuchs. Das traurige Ergebnis dieses Fluges in die Sonne war eine vollständige Entfremdung der Jugend von dem Elternhause ebenso wie von der Religion der Eltern. Mit Stolz und Verachtung sahen die ״gebildeten44 Söhne in der schmucken Uniform auf die ״ungebildeten“ schäbig gekleideten Väter. Man konnte sich nicht genug damit tun, sich ganz und gar und möglichst restlos als Polen aufzuspielen. Als Jude erkannt zu werden war die größte Schande. Und die Jungen, die nicht die Gymnasien besuchten, sahen in ihren uniformierten Altersgenossen ihr Ideal. Am schlimmsten trieb es die weibliche Jugend in der Sucht, in die polnische Gesellschaft Aufnahme zu finden, oder, da dies nur bei einigen Bevorzugten möglich war, es mindestens den Polinnen gleichzutun. So verlor die sich selbst überlassene Jugend ihr jüdisches Leben und Streben, ihr jüdisches Selbstgefühl nicht nur. sondern auch ihren sittlichen Halt. Dieser traurigen Entwickelung Einhalt geboten zu haben ist das hervorragende Verdienst der zionistischen Jugendbewegung. Das neue Ideal fand begeisterte und beredte Vorkämpfer, die auch planmäßig sa organisieren verstanden. So löste die zionistische Jugendbewegung den Indifferentismus der Assimilation und auch den Indifferentismus der Orthodoxie ab. Die zionistische Erziehung beginnt — fast möchte man sagen — mit der Wiege. In Kindergärten lernen die Kleinen hebräisch sprechen. In Lemberg wird beispielsweise den 4—5 jährigen auf dem Wege des עברית בעברית durch Anschauung die hebräische Sprache beigebracht, so daß die