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Jeschurun · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1918) · page 49

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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Von den Juden Ostgaliziens und ihrer Jugend. 3°5 Rebbes und schwören auf ihr Wort, während das eigentliche Lernen stark vernachlässigt wird. Damit hängt wohl in erster Linie zusammen, daß bei ihnen die Peinlichkeit in der Befolgung der Vorschriften fehlt. So entsteht ein dem Beobachter zunächst unverständlicher und ihn peinlich be־ rührender Kontrast zwischen dem äußeren G-ebahren und der sittlich religiösen Betätigung. Wir können es nicht verstehen? wie der auf kleinste äußerliche Bräuche achtende Jude, der seinem Rebbe treu ergebene הסיד im Geschäft die Vorschriften über משא ומתן ganz außer acht läßt, wie er unbekümmert um die hereinbrechende Nacht am Freitag Abend seinen Handel fortsetzt, wie er die sittliche Entartung seiner Kinder stillschweigend duldet. In Lemberg ist seit der Zeit von 1ך' יוסף שארי das Tragen am שבת innerhalb der Stadt erlaubt. Ich habe in den Vorstädten kaum einen Juden getroffen, der am שבת nicht getragen hätte. Die Frauen brauchen nicht ״fromm״ zu sein. Sie können lesen und treiben was ihnen beliebt. So ist denn in vielen Gegenden — wie ich mir habe sagen lassen — mit der Zuverlässigkeit des Haushalts gar oft nicht zu rechnen. Dieser Mißstand soll im Kriege erschreckend zugenommen haben. Als Zeichen dafür sei die Tatsache erwähnt, daß in ganz Lemberg mit seinen vielen Tausenden Juden kein einziger der jüdischen Wurstläden zuverlässig ב.שר sein soll. Die gewissenhaften Juden beziehen ihre Wurst aus Krakau. Daß die jüdische Gemeinde sich um כשרית gar nicht kümmert, liegt nicht nur an der Zusammen- Setzung des Gemeinde Vorstandes, sondern auch an der Indifferenz der Orthodoxen. Am schlimmsten zeigt sich die Nachlässigkeit in der jüdischen Erziehung der Jugend, über die wir nachher im Zusammenhang sprechen wollen. Also wahrlich ein schwerer Kontrast zwischen dem äußeren Schein und dem religiös-sittlichen Handeln! Und doch sollte man sich hüten, in schnellem Urteil über die ״Scheinheiligkeit״ dieser Juden den Stab zu brechen. Für vieles mag die bittere wirtschaftliche Not eine gewisse Entschuldigung sein. Wichtiger noch ist zur Erklärung des Kontrastes die schon 21

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