Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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304 Von den Juden Ostgaliziens xmd ihrer Jugend. der Mangel an orthodoxer individueller Ausbildung der Führer und des Volkes. Er ist im wesentlichen an der Zersplitterung schuld. Den Idealtypus des Juden, den wir im Osten zu finden hoffen, müssen wir in Ostgalizien mit Laternen suchen. Wohl gibt es solche Typen unter den Chassidim ebensogut wie unter den anderen. Es gibt יסדנים, wie sie eben nur der: Osten hervorzubringen vermag, deren religiöse Betätigung vorbildlich ist. Doch leider fehlt den meisten von ihnen der Maßstab für die umgebende Kultur, mit der sie jede Auseinandersetzung scheuen. Es fehlt ihnen auch das Augenmaß für die Kluft der Weltanschauungen, die sich innerhalb der Judenheit entwickelt haben. Sie sehen in dem Assimilanten, in dem Zionisten nur das Individuum den פישע für dessen persönliches Verhalten sich vielleicht diese oder jene Gründe als Entschuldigung anführen lassen, sehen in ihm aber nicht den Vertreter eines Prinzips, das eine Gefahr für unser Judentum darstellt. Wenn man diese Weltfreradheit hinsichtlich der modernen jüdischen Zeitströmungen als gegeben nimmt, wird man vielleicht verstehen, daß ein orthodoxer Rabbiner sich nicht scheut, mit dem Orgelprediger zusammen im בית דין zu sitzen. Das orthodoxe Selbstbewußtsein, das orthodoxeZusammengehörigkeitsgefühl ist es, das ihnen abgeht. So schlägt denn die Erkenntnis der Notwendigkeit bewußt orthodoxer organisatorischer Arbeit nicht tief genug Wurzel. Und auf der anderen Seite sehen wir den Pädagogen mit seinem Blicke auf das Individuum ratlos dastehen, den immer stärker um sich greifenden Bruch zu heilen. Qualis rex, talis grex! Die breite Masse der Orthodoxie ist dort ebenso wie bei uns עם הארץ. Nur hat dieser עם הארץ vor dem unseren das voraus, daß die Juden selber zwar des Gesetzes unkundig doch durch das Jahrhunderte alte im Gesetz beruhende Milieu stark in ihren Gefühlen und ihrem gefühlsmäßigen Handeln beeinflußt sind. Hierzu trägt auch nicht wenig die mehr an das Gefühl appellierende Art des Chassidismus bei. In seltener Treue hängen sie an ihren