Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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302 Von den Juden Ostgaliziens und ihrer Jugend. Von den Juden Ostgaliziens und ihrer Jugend, Von Dr. med. Jacob Levy, Berlin, z. Z. im Felde. I. Der erste Tag in der ersten galizischen Stadt, die mein Fuß betrat, war ein שבת in Lemberg. So war ich denn gleich mediis in rebus. Schon stand ich Westjude mitten in dem echtesten ostjüdischen Milieu. Als thoratreuer Jude hat man sogleich das wohltuende Gefühl, in einem Idealland des Judentums zu weilen. Im Straßenbild nimmt der sich seiner jüdischen Kultur nicht schämende Jude einen wesentliehen Platz ein. Die ausgeprägte bärtige Physiognomie, die Nationaltracht mit dem langen Rock und dem Stramel heimeln einen an. Wohl gibt es in der großen Stadt unter den Jungen auch ״Kurzröckige“, sie treten indes im Bilde nicht hervor. Um die *־־^-Ruhe in der Judenstadt zu spüren, brauchen wir nicht erst eines der überaus zahlreichen בתי כנסיית und בתי מדרשית zu betreten. Die Straßen selbst bieten das uns Westlern von Sonntag her bekannte Ruhebild. Die festlich geputzten Menschen stehen vor den Türen und gehen plaudernd spazieren, auf ihrem Gesicht jener bekannte Abglanz der Sabbathweihe. Fast der gesamte Marktbetrieb Lembergs, ג) Der Aufsatz enthält die Wiedergabe eines Referats, gehalten in der Vereinigung Jüdischer Akademiker zu Berlin (im B. J. A.) am 27. XII. 17. Es hat sich in unserer Vereinigung der Brauch herausgebildet, daß die Bundesbrüder, die längere Zeit im Osten geweilt haben und auf Urlaub in die Heimat kommen, über ihre Eindrücke hier referieren. Der Nutzen ist ein doppelter. Die hiesigen Bundesbrüder werden ständig über die mp 1er Ostjudenfrage zusammenhängenden Probleme auf dem Laufenden gehalten, können t 1s der Synthese der verschiedenen Beobachtungen sich ein klareres Urteil bilden als der einzelne von uns draußen, dessen Urteil ja naturgemäß durch örtliche und zeitliche Begrenzung eingeengt ist. Und es ergibt sich auf der anderen Seite der Vorteil, daß dem ins Feld Zurückkehrenden die hiesige Erörterung eine Fülle von Anregungen zu Urteil und Tat bieten kann, die ich auch für mich erwarte Denn die 3/4 Jahre, die ich unter ostgalizischen Juden in Stadt und Land gelebt habe, reichen zu einem abschließenden Urteil nicht aus.