Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionismus. Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. 287 Länger eine nicht zu unterschätzende Stoßkraft besitzt, im Ostjudentum aber zweifellos eine entscheidende Rolle spielt? Nein! Dem Nationaljudentum gegenüber, das trotz allen prinzipiellen Gegensatzes, den wir genügsam unterstrichen haben, wenn auch nicht nach seinem Grundgedanken so doch nach den Kräften, die in ihm wirksam sind, dahin tendiert, sich immer mehr dem gesetzestreuen Judentum zu nähern, heißt es heute mehr als je das Trennende zurückstellen und das Gemeinsame betonen. Selbst wenn wir nicht aus den Gründen heraus, die oben angeführt wurden, zu den Forderungen der nationalen Autonomie für das Ostjudentum uns bekennen müßten, selbst wenn wir ihnen gleichgültig* gegenüberstehen würden, wir müßten sie allein aus dem Grunde uns zu eigen machen, weil hier ein Boden für gemeinsames, brüderliches Wirken gewonnen wäre. Aber vor allem: Es handelt sich nicht um uns allein, die wir gegenüber der großen Masse des gesetzestreuen Judentums eine zu vernachlässigende Größe sind. Diese Masse hat sich entschieden. Es wird uns entgegengehalten, wir dürfen nicht ״Ungarn, halb Galizien und ganz Polen“ gegenüber intolerant sein. Haben sich diese Länder in der Gesamtheit ihrer Gesetzestreuen wirklich entschieden?! Von Ungarn weiß ich nur, daß es bisher überhaupt nicht hat gewonnen werden können. Ich beuge mich der Thoratreue und Thoragelehrsamkeit dieses Landes, wiewohl ich mancherlei in seiner Religionspolitik nicht verstehe. Ich verstehe nicht, daß man selbst sich eine ganz umfassende Bildung aneignet, seine Kinder von christlichen Gouvernanten erziehen läßt, aber einem Rabbiner, der sein Doktordiplom erwirbt, die Bekleidung eines Amtes in einer ,.orthodoxen“ Gemeinde verweigert. Ich verstehe nicht, daß ..orthodoxe“ Gemeinden einen Vorstand wählen, der in seiner Gesamtheit das Religionsgesetz auch in seinen gewichtigsten Bestimmungen mit Füßen tritt. Doch wie gesagt. Ungarn hat sich bei allen Zugeständnissen die man gemacht, nicht dazu bewegen lassen, sich anzuschließen. Und Galizien? Nur mit seiner Politik wolle man uns verschonen!