Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Zionismus. Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. Und in Deutschland? Die Blutopfer. die wir gebracht, sind längst vergessen und während nun täglich Opfer fallen, steigt die antisemitische Welle immer höher an. Der Antrag Heins im preußischen Abgeordnetenhause, des Schriftführers des Evangelischen Bundes, die Juden wie die Zuchthäusler zu behandeln und ihnen das Wahlrecht zu nehmen, ist ein Flammenzeichen, das wohl beachtet sein will. Die Konservativen haben nur erklärt, daß Heins seinen Antrag für sich stelle, haben aber mit keinem Worte ihre Entrüstung oder nur ihre Abneigung laut werden lassen. Auch der Konservativen ״Freundschaffc“ mit dem ״orthodoxen Judentum41 wird sie nicht daran hindern, wenn der Zeitpunkt günstiger erscheint, zur Entrechtung der Juden beizutragen. Darum sollten wir es uns wahrlich überlegen, ob wir jetzt nicht mit aller Kraft zusammenhaltcn müssen. Wenn aber die konservative Herrlichkeit ein Ende nehmen sollte, so kann die gesetzestreue Minderheit auch nicht mehr darauf rechnen, für ihre Sonderwünsche Unterstützung zu gewinnen. Die Linke hat sich hier immer spröde gezeigt, selbst wo es den Schutz allgemein jüdischreligiöser Interessen galt. Also auch hier wird nur die Kraft, die der Gesamtjudenheit Deutschlands innewohnt, auf Berücksichtigung rechnen dürfen. Meine Überzeugung geht dahin, daß die Entwickelung unweigerlich zu einem Zusammenschluß drängt. Dann wird aber auch der Weg gefunden werden, der weder zur Zwangsorganisation noch zur Spaltung in zwei Konfessionen führen daru Wie dem auch sei, eine innere Zerfieisehung wäre jetzt ein Vergeheu, das um seiner Folgen willen nicht zu sühnen wäre. Und da wollten wir zu dem Gegensatz der uns vom liberalen Judentum trennt, noch eine besondere Feindschaft zwischen uns und dem Nationaljudentum erwecken? Wollten den ״Austrittsgedanken“, der, wie hervorgehoben, für die Verwaltung der religiösen Angelegenheiten innerhalb der Gemeinden Bedeutung hat, auch einer Bewegung gegenüber zur Herrschaft bringen, die selbst innerhalb Deutschlands durch die Befähigung ihrer Führer und die Begeisterung ihrer An-