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Jeschurun · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1918) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. 285 Wir werden die Einheit wohl bald noch mehr als eine eiserne Notwendigkeit empfinden. So sicher es ist, so sicher es wenigstens dem gläubigen Juden erscheinen muß, daß in den Ereignissen des Weltkriegs und seinen Folgen Gottes Finger waltet und auch das künftige Schicksal des erwählten Volkes jetzt von Ihm geschmiedet wird, so zweifellos ist es, daß wir alle, wie jeder Zeit in der jüdischen Geschichte, nur durch schwere Prüfungen und Leiden dem gottgewollten Ziele entgegengeführt werden. Zunächst für das Ostjudentum selbst. Die Freude, die uns und die ganze Menschheit erfüllen mußte, da das zaristische Joch zerbrach und mit den Juden alle ״Fremdvölker״ des russischen Reiches aufatmeten, klingt schon jetzt nur gedämpft. Zwar war von vornherein vorauszusehen, daß die ungeheure Umwälzung sich nicht glatt vollziehen würde, daß mit reaktionären .Rückschlägen gerechnet werden mußte, bei denen die Juden wie immer in erster Reihe die Leidtragenden sein würden. Mit Schrecken denken wir hier an das, was noch die Zukunft G. b. bringen kann. Aber schon jetzt ist Schlimmes genug zu verzeichnen. Beßarabien mit seiner außerordentlich starken jüdischen Bevölkerung scheint endgültig Rumänien zufallen zu sollen und damit das Los dieser Bevölkerung sich noch schlimmer^ zu gestalten, als es unter der früheren zaristischen Herrschaft war. In der Ukraine sollen die Juden für das büßen, was von der früheren Regierung gesündigt wurde. Die Rechte der Juden in den Randstaaten mögen unter den Auspizien der deutschen Fürsorge vielleicht gesichert sein. Aber ihrer wirtschaftlichen Betätigung droht keine geringe Gefahr. Es ist recht vielsagend, wenn ein Buch über Litauen, das unter der Ägide von Ob. Ost erschienen ist, der Juden, eines der wesentlichsten Kulturfaktoren Litauens, mit keinem Worte erwähnt bis zum Schluß, wo es in einem Satze heißt, daß sie die Litauer ״ ausgebeutet“ haben. Die Ostjuden in den letzten Jahrhunderten und das Judentum während der letzten beiden Jahrtausende haben noch Schlimmeres überstanden. Aber nur weil sie eine Stütze hatten in ihrer Solidarität, da sie alle für einander eintraten.

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