Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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284 Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. Judentum lossagen, wir können es vielleicht auf die Dauer nicht hindern, aber die Schuld komme nicht auf uns. Wir wollen mit aller Kraft an der Erhaltung, der Kräftigung, der Weiterverbreitung des gesetzestreuen Judentums arbeiten, aber nicht von uns aus zweierlei Judentümer schaffen. Nur aus jener Übertreibung des *Austrittsgedankens“ ist aber auch die Einseitigkeit zu erklären, mit der man sich auch in der Wirksamkeit innerhalb des Ostjudentums auf die ״Konfessionalität“ des Judentums, seinen Charakter als ״bloße Religionsgemeinschaft“ auf das ״staatsrechtliche Assimilantentum“ versteift. Und es scheint uns, als ob, zum mindesten unbewußt, auch in der stillen Abneigung gegen die Forderung der nationalen Autonomie jenes Gefühl zum Ausdruck kommt: nur nicht mit der Einheit Zusammengehen, jene Furcht, sich selbst zu verlieren. Daß selbst die ״Austrittsgemeinde“ in Rußland nach menschlicher Berechnung je zur Verwirklichung kommen wird, scheint uns trotz des Ausspruches eines sehr klugen Mannes, ״man müsse das Ostjudentum zu dem Austrittsgedanken erziehen“, völlig ausgeschlossen. Ebensowenig wird man je darauf rechnen können, eine große Anhängerschaft um sich zu sammeln, wenn man die innere Einheit des Ostjudentums irgendwie in Frage stellt. Man wird eine kleine Gefolgschaft um sich sammeln können, — wo gelänge das nicht, — aber auf die Dauer werben, für die Zukunft arbeiten, das junge Geschlecht um sich sammeln, wird niemand vermögen, der gegen das Einheitsbewußtsein, das im nationalen Fühlen gegründet ist, Sturm läuft. Noch einmal! Wo immer es praktische Arbeit gilt, werden die Gegensätze aufeinander stoßen und es wird heiße Mühe, große Geduld und mancherlei Selbstüberwindung kosten, die Bereiche der Wirkungsgebiete friedlich gegeneinander abzugrenzen. Er wird des öfteren dazu kommen, daß die Arbeit bis zur höchsten Spitze hinauf getrennt wird geleistet werden müssen. Aber das Bewußtsein der Einheit darf nicht angetastet werden und der nichtjüdischen Welt gegenüber muß sich das Judentum in seinen Forderungen stets als Einheit geben.