Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1918) · page 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2292929-2292980-2292984--02842-2296115
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

280 Zionismus, Nationalj ndentum und gesetzestreues Judentum. die Männer und ihre Leistungen. Aber noch einmal, es fällt mir nicht ein, die Bedeutung und die segensreiche Wirkung des Austrittsgesetzes leugnen zu wollen, und ich habe die ״orthodoxen“ Gegner der Revision des bayrischen Judenedikts, die eine sinngemäße Anwendung dieses Gesetzes auf Bayern verhindern wollen, nie verstehen können. Aber die Idee des Austrittsgesetzes, von Hirsch nur für die Sicherstellung der gesetzestreuen Minderheiten in den Gemeinden propagiert, nahm dann später eine Gestalt an, die auf eine völlige Trennung innerhalb der deutschen Judenheit selbst hinstrebte. Die Schuld lag auch hier ebenso wie seiner Zeit bei den Vorgängen, welche die Austrittsbewegung hervorriefen, nicht an den gesetzestreuen Kreisen des deutschen Judentums. Die wiederholten bekannten Versuche, eine Zwangs- Organisation für das gesamte Judentum Deutschlands zu schaffen, waren es, die eine Reaktion seitens der gesetzestreuen Minderheit auslösten. Im Mittelpunkt der Abwehrbestrebungen stand die ״Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums“, deren rastlosen Bemühungen es bisher in der Tat ge- Jungen ist, jeden Versuch, der in dieser Richtung gemacht wurde, im Keime zu ersticken. Wir haben ein Buch, das viel zu wenig geschätzt wird und weil es in seinem ersten Teil ein reiches sachliches Material bringt, das wie immer in solchen Fällen nicht sehr unterhaltend ist, leider viel zu wenig gelesen wird: ״Die religiösen Strömungen in der zeitgenössischen Judenheit“ von Provinzialrabbiner Dr. M. Cahn1). Dies Buch ist von einem Mann geschrieben, der, wenn es die Arbeit galt, stets im Vordergrund stand und wenn er Ehre und Dank ernten sollte, sich stets im Hintergrund gehalten. Es zeigt uns in ergreifender Weise, von welch tiefer Frömmigkeit alle Schritte diktiert sind, die unter seiner Führung von ihm und seinen Gesinnungsgenossen unternommen wurden, um die Gefahren abzuwenden, die aus den praktischen Bestrebungen der Befürworter der Zwangs- *) Frankfurt a, M. Sänger und Friedberg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.