Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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276 Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. gebracht, ja geradezu bedenklich von diesen empfunden worden sind, ist jetzt die einmütige Meinung aller, daß jedes Zugeständnis in der Richtung der nationalen Autonomie in einer Auseinandersetzung mit den Polen selbst erstrebt werden soll- Worüber der Streit ist, das ist das Maß der nationalen Forderungen, die gestellt werden sollen. Und wenn nun behauptet wird, daß die Sprecher der Aguddas-Ho-orthodoxim von der Überreichung der Adresse an den Staatsrat an bis auf die heutige Zeit mit ihrer geflissentlichen Betonung, die Juden Polens wollten nur als Religionsgemeinschaft gelten, den Vorkämpfern für die nationale Autonomie in den Rücken gefallen sind, so kann ich nicht sehen, wie diese Behauptung entkräftet werden könnte. Damit ist den Polen eine Waffe in die Hand geliefert, die sie jederzeit verwenden können und auch verwandt haben, um jeden Anspruch, der über das Recht der Konfessionsgemeinschaft hinausgeht, abzulehnen. Uber die Stellungnahme zu den Polen selbst kann man verschredener Meinung sein. Man kann die Überzeugung hegen, daß bei dem nationalen Fanatismus, der denPolen eigen ist, jeder Versuch, irgendeine Forderung jüdisch-nationalen Charakters zu erheben, sie aufs heftigste erbittern muß und dazu führen kann, daß den Juden auf Umwegen auch die bürgerliche Gleichberechtigung verloren geht, während eine völlige Unterordnung der Judeu unter das Dogma, daß Polen kein Nationalitäten-, sondern ein Nationalstaat sei, die Polen dazu bewegen wird, mit den Juden in Frieden und Freundschaft zu leben, die Wirtschaftliehen Gegensätze aus dem Wege zu räumen, ihnen die Aneignung der polnischen Kultur zu erleichtern, kurz die Juden jetzo polnischer Nationalität ebenso zu fördern, wie die eigenen Stammesgenossen. Man kann aber ebenso der Meinung sein, daß der nationale Anatagonismus doch nicht zu überbrücken ist, daß die Polen selbst gar nicht daran denken, die Juden,, deren wirtschaftliche Konkurrenz trotz ihrer tiefen sozialen Stellung schon jetzt von ihnen als gefährlich empfunden wirdauf eine höhere Stufe der Zivilisation zu erheben, daß bei aller formalen bürgerlichen Gleichberechtigung sich schon Mittel