Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. 275 ״Zweck der Aguddas-Jisroel“ steht, der ״Lösung der jeweiligen jüdischen Gesamtheitsaufgaben im Geiste der Thauroh.“ Oder doch?! Es ist in der Verteidigung jenes Vorgehens mit Sätzen operiert worden, man dürfe die Juden Polens nicht der Blutrache der Polen ausliefern. Ich muß gestehen, daß diese starken Worte auf mich nicht den beabsichtigten Eindruck gemacht, daß sie mir durchaus als keine Rechtfertigung dafür erscheinen, daß die Aguddas-Jisroel sich in die innere Angelegenheit einer Bevölkerung einmischt, die das Streben hat, aus eigener Kraft ihre politischen Rechte zu erwirken. Wie kommt die Aguddas-Jisroel dazu, darüber zu entscheiden, ob die Juden Polens für die Erweiterung ihrer Rechte ihre Haut zum Markte tragen sollen? Wo sitzt die Instanz, die diese Frage halachisch entschieden hat? Wobei mir es noch immer als eine zum mindesten offene Frage erscheint, ob man nicht das Recht hat, sein Leben in die Schanze zu schlagen, wenn es gilt, ein ganzes Geschlecht von helotischer Entrechtung und allen ihren Folgen zu schützen, der *Verarmung, der Dezimierung durch Krankheiten wie Tuberkulose, Hungertyphus u. s. f. Schließlich hat auch ein R. Akiba den Bar Kochba-Aufstand in die Wege geleitet, und nicht die Frage der Blutrache der Römer in die Wagschale geworfen. Vor allem darf nie vergessen werden, daß infolge des Ausbruchs des Weltkrieges es nie dazu gekommen ist, eine Repräsentation des gesamten gesetzestreuen Judentums zu schaffen, daß daher auch in der Politik nur die Wege eingeschlagen werden dürfen, die unweigerlich nach dem Wortlaut und dem Geist unserer heiligen Urkunden zur ״Lösung der jüdischen Gesamtheitsaufgaben im Geiste der Thauroh“ führen» und daß im Zweifelsfalle Zurückhaltung geboten ist. Nun denkt ja kein Mensch an einen faktischen Widerstand in Polen. Und abgesehen von den stürmischen Er- Örterungen in der deutschen und österreichischen nationaljüdischen Presse gegen die Polen in der ersten Zeit, die übrigens als Einmischung in die innere Angelegenheit der Juden Polens ebenso zu verwerfen sind und auch als durchaus unan- 19*