Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zionismus, National Judentum und gesetzestreues Judentum. 369 Nur nebenbei sei bemerkt, daß in diesem Falle das proklämierte Programm der erwähnten Tagung nicht befolgt worden ist. Es ist nur formal richtig, wenn auch hier gesagt werden sollte, daß die Entscheidung der betreffenden Landes״ Organisation überlassen worden ist. Diese stand, was ihre politische Betätigung betrifft, durchaus unter dem Einfluß eben jener Vertreter, wie das ja Herr Rabbiner Dr. Pinchas Kohn in seinem Memorandum ausdrücklich ausgesprochen hat. ״Nun durch mich politisiert• und zwar in propolnischem Sinne“. Dies Wort des Memorandums ist die eigentliche Sünde gegen den Geist der Agudaß-J isroel, gegen die Aufgäbe, die meiner Meinung nach wir im Dienste des Ostjudentums zu leisten haben. Und da das Memorandum nun einmal für alle Zeit ein historisches Dokument geworden und zu schweren Angriffen auf das gesetzestreue Judentum Deutschlands Anlaß gegeben hat, so müssen wir einen Augenblick darauf näher eingehen. Soviel schlechtes ich auch den Politikern in allen Lagern zutraue, so skrupellos sie oft sind, um aus einem hingeworfenen Worte dem verhaßten Gegner einen Strick zu drehen, so wenig bin ich der Überzeugung, daß die Entrüstung in der zionistischen Presse über jenes Memorandum eine nur künstlich gemachte war. Wer an eigenem Leibe erfahren, wie aus harmlosen Sätzen, mit denen der Schreiber einen ganz schlichten Sinn verbunden hat, das Seltsamste herausgelesen wird, der wird es verstehen, daß der in Parteileidenschaft Befangene einzelne Wendungen des Memorandums, die nur unklar formuliert sind und auch im Zusammenhang mißverstanden werden können, als Verleumdungen angesehen hat. Es ist nicht wahr, daß Herr Dr. Kohn sich das Schlagwort des Antisemitismus von dem Judaö-Polonia zu eigen macht, er behauptet nur, daß die Reden der nationalistischen und zionistischen Ratsmänner im Stadtrat dazu Veranlassung gaben. Ich bin auch nicht der Meinung, daß das besonders hart getadelte Wort: ״Der Litauer ist tatsächlich ganz Kopf und ein zersetzendes Element“ von Herrn Dr. Kohn in dem