Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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268 Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. der Staat nicht darauf wird verzichten können. Um so mehr ist es die Pflicht eines jeden, der die Erhaltung der Einheit des Judentums wünscht, alle Kräfte dafür einzusetzen, daß ein Gegengewicht gegen jene unausbleibliche Differenzierung geschaffen wird, den Juden eines jeden Landes dazu zu verhelfen in nationaler Autonomie die Wege zu Anden, ihre eigene Kultur zu pflegen, die voraussichtlich in allen Ländern einen einheitlich jüdischen Charakter tragen wird. Die Erkenntnis dieser Notwendigkeit hat sich ja wohl bei allen Bahn gebrochen, die überhaupt dem Problem des Ostjudentums näher getreten sind. Und wenn die Tagung der orthodoxen Organisationen der Mittelmächte sich etwas verklausuliert dahin ausdrückt, daß sie die Entscheidung darüber den einzelnen Landesorganisationen überläßt, so macht das in der Wirkung wenig aus. Denn es wird keine Organisation des Ostjudentums, die politisch reif und unbeeinflußt ist, geben, die nicht diese Forderung vertreten wird. Einen sehr interessanten Zeugen lassen wir in dem vorliegenden Heft, in dem Aufsatz ״Das ostgälizische Judentum und ihre Jugend* zu Worte kommen. Der Autor steht, wie uns bekannt, mit seiner Gesinnung und seiner Sympathie auf dem extremorthodoxen Flügel des deutschen Judentums, auch aus seiner heftigen Gegnerschaft gegen den Zionismus macht er wahrlich kein Hehl. Und doch kommt er zu dem Ergebnis, daß die ostgalizische Jugend dem gesetzestreuen Judentum völlig verloren geht, wenn die orthodoxen Führer in ihrem Widerspruch zu den nationalen Forderungen verharren. Und dennoch haben Vertreter des deutschen gesetzestreuen Judentums bei der einzigen Gelegenheit, die sie bisher hatten, ihrerseits einen Einfluß auszuüben, gegen die Forderung nationaler Autonomie Stellung genommen. Wir meinen die bekannten Vorgänge in Russisch-Polen, mit denen wir uns nicht nur, weil sie soviel Staub aufgewirbelt haben, sondern weil wir in der Prinzipienfrage anderer Meinung sind, auseinandersetzen müssen.