Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionismus, National] uden tum und gesetzestreues Judentum. 263 rund zu einer Einheit zusammengeschlossen werden, die sich nun auf Grund ihrer Prinzipien als ״Religionsnation“ erklären müßte und die Verpflichtung hätte sich eine ״religiös-nationale Organisation“ zu schaffen. Die Sorge wollen wir der Zeit überlassen, die ganz Israel auf dem heiligen Boden versammelt sieht. Und im übrigen hat es in der ganzen Geschichte Israels — mit Ausnahme der Wüstenwanderung — nie eine Zeit gegeben, in der jene ״religiös-nationale Organisation“ restlos verwirklicht worden wäre. Die nationale Autonomie kann und wird in praxi, nachdem nun einmal innerhalb der Judenheit selbst religiöse Gegensätze vorhanden sind, zu Schwierigkeiten führen, verpflichtet doch aber nicht, selbst wenn wir den unmöglichen Fall annehmen, es handele sich um eine religiös völlig einheitliche jüdische Bevölkerung in einem Lande, diese Bevölkerung zur Aufrichtung einer Theokratie! Die Forderung der nationalen Autonomie besagt zunächst gar nichts über den positiven Charakter der eigenen Selbstverwaltung, sie proklamiert in erster Reihe das negative Moment, daß der Fremde nichts dreinreden soll, daß der Zwang von außen auszuschalten ist. Autonom wollen die Juden sein, d. h. für die Entwickelung ihre Eigenart sich selbst die Gesetze geben und nicht den Fremden folgen. Das bedeutet die Forderung der nationalen Autonomie, die mit Bekenntnisfragen des Nationaljudentums oder des gesetzestreuen Judentums nicht das Geringste zu tun hat. Denn es kommt ja hier nicht darauf an, ob etwa die Vorkämpfer der nationalen Autonomie mit Argumenten arbeiten, die sie der Ideologie des Nationaljudentums entnehmen. Die einzige Frage ist: Widerspricht der Inhalt ihrer Forderungen der Grundidee oder einzelnen Normen des gesetzestreuen Judentums? Können wir auf Grund unserer Anschauungen und den Bedürfnissen unseres religiösen Lebensführung nicht die gleichen Forderungen erheben? Und darauf lautet die Antwort: Wir dürfen nicht nur, sondern wir müssen die gleichen Forderungen erheben und dies gerade aus den Bedürfnissen des gesetzestreuen Judentums heraus.