Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionismus, NationalJudentum und gesetzestreues Judentum. 261 unserer Ämter die volle Tragweite des Gedankens schon erfaßt haben oder nicht — von einigen dieser Männer dürfen wir es getrost annehmen —; ist es völlig gleichgültig, ob einige nur im Hinblick auf bestimmte praktische Ziele einen Teil dieses Windes in ihre Segel fassen möchten, bereit, zu gegebener Zeit die Segel anders zu stellen und mit anderem Winde weiter zu segeln; genau das ist der Weg, wie Prinzipien sich geschichtlich überhaupt und überall durchsetzen: als die Symbole kräftiger, kampffähiger Interessen. Wir sind wahrlich die letzten, die an die Macht von Ideen im alten transzendentalen Sinne glauben, aber wir treiben die Skepsis nicht bis zu der Weisheit des Spießers, der die Ideen auch dann leugnet, wenn sie jedem Auge erkennbar sind als die heranjagende Schaumkrone der Sturmflut, als die Sturmfahne der Millionen lebendiger Menschen, die auf dem Marsche sind, sich aus der tätlichsten aller Gefahren zu erlösen. Das aber ist heute der Fall. Das Prinzip der sprachlich-kulturellen Autonomie hat in Rußland gesiegt, und das allein ist größer als der ganze Rest von Europa. Deutschland braucht es für seine Zwecke in Kurland und Litauen, wird es in Posen und Westpreußen gewähren müssen, um mit dem neuen Polen in Frieden zu bleiben, und hat in ihm vielleicht ein wertvolles Tauschobjekt in der Hand, um Frankreich über Elsaß und Lothringen einigermaßen zu beruhigen. Für Österreich und Ungarn gibt es keinen anderen Ausweg aus seinen Schwierigkeiten; wir warten in Geduld ab. ob das neue Polen, in dem auf die Dauer die jetzt regierenden nationalistisch verhetzten Notabein denn doch nicht die Herrschaft ausüben werden, seinen Minderheiten wird verweigern können und wollen, was in einiger Zeit das Kennwort, das Schibboleth der allgemein-europäischen Kultur sein wird. Der Soziologe weiß, welche Macht das ״Prestige“ allgemein anerkannter und, wie die Schweiz uns zeigt, bewährter Institutionen gerade auf junge unentwickelte und ehrgeizige Gemeinwesen ausübt“. ״Wir wiederholen: wir sind weit davon entfernt, die augenblickliche praktische Bedeutung der Regierungserklärung zu überschätzen. Aber wir freuen uns ihrer als gute Europäer, weil sie einen Gedanken weiterträgt, ohne den die Staatengemeinschaft unseres Erdteils zugrunde gehen muß; — als Deutsche, weil unser Vaterland nicht gedeihen kann, wenn die Staatengemeinschaft leidet, in die es unlöslich verflochten, ist and weil das Bekenntnis zu dem Prinzip Deutschland wieder einmal trotz aller Phrasen unserer Feinde, an der Spitze des starken Heeres zeigt, das die Zukunft erobern will; — und schließlich als Juden, weil damit unseren Glaubensgenossen im Osten die Aussicht auf wirkliche Freiheit und Gerechtigkeit erschlossen wird, weil ihnen mindestens ein Ziel gesteckt worden ist, würdig des wundenbeladenen Kriegers der Zukunft, als den das Geschick Israel nun einmal zu seinem Fluch und