Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 246 (sequence 114)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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246 Die Josephserzählung. Wendung חיה רעה אכלתהו weist auch in seinen Augen auf eine Quelle hin. Angeblich steht aber die Ausführung V. 33 in unversöhnlichem Gegensatz zu V. 20. Also doch wieder zwei Quellen! Wie sind die beiden einander widersprechenden Schlußfolgerungen zu vereinbaren? Die Lösung ist nach Gunkel sehr einfach. Die bezüglichen Worte waren auch V. 33 ״ursprünglich“ Worte der Brüder. Im Hinblick auf diese Ausführungen meint 0. Proksch in seinem Kommentar zur Genesis, Leipzig 1913 S. 380: חיה רעה א'״ ist von Gunkel sehr glücklich für die Quellenscheidung in v. 33 ff verwertet“; vgl. auf Seite 220 a. a. 0. Ist jener angebliche Widerspruch wirklich'so ״ unerträglich u, ja ist er überhaupt vorhanden? Vorweg ist gleich festzustellen, daß das, was die Brüder V. 20a planen, nicht ausgeführt wird: die Brüder legen selbst keine Hand an Joseph. Die Ankündigung >0 b geschieht ja nur unter der Voraussetzung, daß der Plan 20 a Wirklichkeit wird. Erst V. 23 ziehen die Brüder Joseph den bunten Rock aus, und erst V. 31 berichtet uns: da nahmen sie Josephs Kleid, schlachteten einen Ziegenbock und tauchten das Kleid in das Blut. Nur darin sind sie allerdings die gleichen, daß sie auch jetzt noch den Vater glauben machen wollen, ein wildes Tier habe Joseph zerrissen. V. 20 hatten sie aber an den bunten Rock noch gar nicht denken können. Gunkel selbst bemerkt zu V. 23 mit Recht: ״Die gewöhnliche Erklärung, sie hätten ihm das Kleid ausgezogen, in der Absicht, es später zu verwenden, ist unrichtig: die Sache ist viel feiner: sie rissen ihm das Kleid vom Leibe, ohne eine Absicht, aus Wut über den verhaßten Rock. Erst nachträglich, als Joseph verkauft ist, und sie sich überlegen, wie sie seine Entfernung dem Vater am besten beibringen können, bemerken sie das Kleid in ihrer Hand, und beschließen nun, es zu diesem Zweck zu gebrauchen.“ Hier sieht Gunkel einmal nicht durch die Brille der Quellen- Scheidung. Darum gelingt es ihm bei dem feinen ästhetischen Verständnis, das ihm von Hause aus ohne Zweifel eignet, dieses Mal den Sinn des Schriftworts vollends zu treffen. So straft