Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 243 (sequence 111)
- Language
- German
- Belongs to
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I. M. Japhet. 243 meidung von Wiederholungen desGottesnainens besitzen, sondern deshalb, weil sie wirklich ,.aus jüdischer Seelekommen. Und damit hängt zusammen, daß sie volkstümlich sind und, wiewohl meist mehrstimmig gesetzt, die Gemeinde zum Mitsingen fortreißen: der jüdische Gottesdienst kennt keine Zuhörer! Der Lehrer und der Tondichter in Japhet reichte dem Forscher die Hand, damit die ,.Haggada“ entstehen konnte. Wie viel schaler Spott — nicht immer, wie in Heines Rabbi von Bacherach, mit unwillkürlicher Bewunderung untermischt — ist über das ehrwürdige Büchlein, diese Trägerin schönster Jugenderinnerungen für jeden Juden, diese Anregerin naivkräftiger jüdischer Bildkunst ausgegossen worden! Und wie hilflos standen solcher Kritik so manche Freunde des Sederabends gegenüber, die durch den Zaubergarten agadischer Dichtung einen Führer brauchten und ihn in den gelehrten hebräischen Kommentaren oder in gutgemeinten, aber gar naiven ״jiddischen4‘ Erklärungen nicht finden konnten! Hier drängte es Japhet, Wandel zu schaffen. Er gibt selbst?seinem Leser den Seder. Kein Midrasch ist zu schwierig keine Einzelheit zu unbedeutend: stets weiß er schlichte, fromme Deutungen anzuknüpfen; selbst das fröhliche Schlußlied ist ihm ein Bild vom Wechsel alles Irdischen und der ihn überwindenden Macht des zur Freiheit führenden Gottes. So gewinnt jeder Brauch und jedes Wort heilige Bedeutung. Durch musikalische Beilagen weiß Japhet überdies den unvergleichlichen Zauber echtjüdischer Familienfeier zu steigern in Erinnerung an ״den Sederabend in der Eltern Haus, da hell die Stimmchen. laut die Stimmen klangen, und tönten aus der vollen Brust heraus4‘. Als Japhet hochbetagt 1892 aus dem Leben schied, fand man in seinem Schreibtisch das Manuskript seiner Schrift über ,7Die Akzente der heiligen Schrift‘4 (מורה הקורא), geschrieben mit seinen haarscharfen, die verschiedenen Formen deutscher und hebräischer Drucktypen zierlich nachahmenden Zügen. Vielfach Heidenheim folgend, aber auch Ewalds Schrift unbefangen benutzend, gibt Japhet nicht sowohl eine gelehrte Arbeit, als einen zwar erschöpfenden, aber leicht faßlichen